Sport : Lieber DM als WM

Schwimmerin Steffen überrascht in Berlin

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Berlin - In Britta Steffens Gesicht nach ihrem Sieg über die 100 Meter Freistil bei der Deutschen Meisterschaft war nicht nur Freude zu lesen. Auch eine große Portion Verwunderung und Erleichterung machten sich dort breit. Die Deutsche war selbst überrascht, dass sie nach den Anstrengungen der Weltmeisterschaft, den Dopingvorwürfen in Australien und einer Erkältung eine so gute Zeit ins Wasser legen kann. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich hier noch so schnell schwimmen kann“, sagte sie nach dem Rennen.

Noch vor zwei Wochen schwamm Britta Steffen den stärksten Konkurrentinnen bei der Weltmeisterschaft in Melbourne hinterher. Gestern musste die nationale Konkurrenz bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin in den Wellen schwimmen, die die 23-Jährige im Berliner Becken der Europasporthalle hinterlassen hatte. Mit einer knappen Länge Vorsprung schlug Steffen in 53,57 Sekunden vor Daniela Schreiber und Daniela Samulski an. Mit dieser Zeit hätte die Berlinerin in Melbourne statt Bronze Silber geholt. „Es ist immer etwas anderes bei Deutschen Meisterschaften anzutreten“, sagte Steffen, „hier ist es leichter vorneweg zu schwimmen, denn man bekommt die Wellen der anderen nicht ab.“ Außerdem könne sie hier gleich vom Start Druck machen, während sie bei der WM schon beim Absprung Zeit verliere.

Doch nur mit dem Absprung sind ihre Leistungen in Melbourne wohl nicht zu erklären. Vielmehr muss der Trainingsplan in Frage gestellt werden. Während Steffen vor der WM hart trainierte, musste sie aufgrund einer Erkältung vor der Deutschen Meisterschaft zehn Tage pausieren. Das bekam der gebürtigen Schwedterin offenbar gut, da sie so die Kraft für die nationalen Titelkämpfe bündeln konnte und nach dem Titel über die 50 Meter gestern nun auch 100 Meter Freistil gewonnen hat. Auch der Bundestrainer des Deutschen Schwimm Verbandes (DSV), Örjan Madsen, räumte ein, dass er den Athleten vor dem nächsten Saisonhöhepunkt möglicherweise mehr Ruhe geben müsse. „Aber man muss vor allem individuell analysieren, was zum nächsten Jahr geändert werden muss, so dass diese momentane Seitwärtsbewegung gestoppt wird“, sagte er.

Ein Unterschied in der Planung steht schon jetzt fest. Denn die Deutsche Meisterschaft findet nicht wie in diesem Jahr nach dem Saisonhöhepunkt statt, sondern ist Voraussetzung für die Olympia-Qualifikation. Auch Steffen war vom Zeitpunkt der nationalen Titelkämpfe im Vorfeld nicht begeistert. Sie dachte, nach der WM hätte sie alles hinter sich und könnte den ganzen Stress ablegen. „Es war schon eine große Umstellung für mich“, gab sie zu. „Ich war nach der WM stinkig, weil die ganzen Dopingvorwürfe auf mich einprasselten und ich dann auch noch krank wurde.“ Dass sie trotz Halsschmerzen und Schnupfen, die sie immer noch plagen, jetzt bei ihren beiden Meistertiteln schneller geschwommen ist als bei der WM, lässt Steffen die Deutsche Meisterschaft nun doch positiv sehen. Für sie sei es ein Zeichen, dass sie in der Lage ist, ihre Form über zwei Wochen konstant zu halten. Bundestrainer Örjan Madsen will die Entwicklung von der WM zu der Deutschen Meisterschaft trotzdem genau untersuchen. Deshalb fordert er von allen Athleten eine Drei-Punkte-Liste, auf der sie die wichtigsten Ursachen ihrer Leistungsschwankungen nennen.

Nach Abgabe dieser Liste kann sich Britta Steffen endlich auf die gewünschte Auszeit freuen. „Es ist schön, dass ich jetzt erstmal Zeit für mich habe und mich wieder auf mein Studium konzentrieren, kann“, sagte sie, nachdem sich die Überraschung über die eigene Leistung bei der Deutschen Meisterschaft gelegt hatte.

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