Sport : Lieber SCC als Nationalteam Volleyball-Bundestrainer? – Michael Warm winkt ab

Karsten Doneck

Berlin - April oder Mai sei es gewesen, so genau kann sich Michael Warm an das Datum nicht mehr erinnern. Aber seinerzeit erhielt der Trainer des SC Charlottenburg eine Einladung zu offiziellen Gesprächen mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Warm wusste: Es geht dabei um die Nachfolge von Bundestrainer Stelian Moculescu, der nach zwölf Jahren und dem Erreichen des olympischen Turniers in Peking sein Amt niedergelegt hat. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten ist Michael Warm selbst. Der hatte schließlich schon mal die Volleyball-Nationalmannschaft erfolgreich betreut, als sich Moculescu aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit gegönnt hatte. Zu einer Zusammenarbeit zwischen dem DVV und Warm wird es aber in absehbarer Zeit wohl nicht kommen. „Ich habe definitiv gesagt, dass ich diese Saison beim SCC zu Ende bringe. Das wird mit Sicherheit so sein“, betonte Warm.

Der Trainer besitzt beim SC Charlottenburg, dem vier Tage nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen TV Rottenburg heute (16 Uhr, Saefkow-Halle) beim VC Olympia Berlin bereits das zweite Saisonspiel bevorsteht, noch einen Vertrag bis 2009. Gerade für diese Saison hat sich der SCC enorm viel vorgenommen und sich kräftig verstärkt. „Ich muss Entwicklungen vorbereiten. Und die Arbeit im Verein macht mir wahnsinnig viel Spaß“, sagt Michael Warm.

Wer Stelian Moculescu als Trainer der Nationalmannschaft beerben wird, steht weiterhin noch nicht fest. Es gibt wohl eine Reihe weiterer Kandidaten – in erster Linie aus dem Ausland. Aber der DVV ist kein finanzstarker Verband. Reichtümer sind als Bundestrainer nicht zu erwerben. Weshalb die ausländischen Kandidaten die Aufgabe als Bundestrainer nicht unbedingt als Full-Time-Job verstehen, sondern lieber nebenher auch noch eine Vereinsmannschaft trainieren wollen. Das wiederum stößt beim DVV auf keine breite Zustimmung.

Auch Michael Warm war zum Gespräch mit dem DVV mit klaren Vorstellungen erschienen. „Ich habe dem Präsidium 20 Fragen vorgelegt“, sagt der 40-Jährige. „Da habe ich auf Antworten gewartet.“ Die blieben offenbar aus. Abgeneigt ist der gebürtige Franke gegenüber dem Job als Bundestrainer aber keineswegs. „Natürlich ist das eine Ehre und ein Traum“, sagt er, „aber man muss das ja nicht unter jeder Bedingung machen.“ Und in Doppelfunktion als Bundestrainer und beim SC Charlottenburg zu arbeiten, das kommt für Michael Warm sowieso nicht in Frage. „Das können wir so nicht weitermachen“, sagt er. Stelian Moculescu war nicht nur für die Nationalmannschaft zuständig, sondern auch für den deutschen Serienmeister VfB Friedrichshafen. SCC-Manager Kaweh Niroomand sprach bei dieser Konstellation auch schon mal kritisch von „einem Interessenkonflikt“. Karsten Doneck

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