Sport : Lieber van Gool als van Gogh

Als erster Bundesligaverein gibt der 1. FC Köln 1976 eine Million Mark für einen Spieler aus

Stefan Hermanns

Am 24. August 1963, vor 40 Jahren also, ist die Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison gestartet. Seitdem hat die Liga viele schöne Geschichten geschrieben. In loser Folge erinnern wir an Rekorde und Glanzleistungen, heute an den ersten Millionentransfer.

Die Zeit drängte. Um Mitternacht schloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Transferliste, bis dahin musste der Brief nach Frankfurt auf der Post sein. Doch die Verhandlungen zogen sich hin. Auf der einen Seite saßen Karl-Heinz Thielen, Manager des 1. FC Köln, und dessen Schatzmeister Klaus Hartmann, auf der anderen die Vertreter des FC Brügge. Es ging um Roger van Gool, den belgischen Nationalstürmer. Kölns Trainer Hennes Weisweiler hatte Thielen vor der Fahrt nach Brügge gesagt: „Mer holen den jetzt.“ Aber die Belgier wollten den Rechtsaußen nicht gehen lassen. Die Verhandlungen stockten. Erst als van Gool erklärte, er wolle definitiv nach Köln, gab Brügge nach – „allerdings gegen ein Riesengeld“, sagt Thielen.

Eine Million Mark mussten die Kölner im Sommer 1976 für den 26-Jährigen bezahlen. Als Günter Netzer drei Jahre zuvor von Borussia Mönchengladbach zu Real Madrid gewechselt war, hatte die Transfersumme zum ersten Mal die Millionengrenze überschritten. Aber noch nie hatte ein Bundesligaverein so viel ausgegeben. Thielen erinnert sich, dass der als sparsam verschrieene Schatzmeister Hartmann „die ganze Zeit auf die Zähne gebissen hat“. Bei ihm selbst kamen die Bedenken später. Erst mussten die Unterlagen für den DFB zur Post. Ziemlich aufregend sei das noch gewesen, zehn Minuten vor Mitternacht landete der Brief im Briefkasten. „Das war eine sehr schlimme Nacht“, sagt Thielen. „Eigentlich war es unsere Politik, junge Spieler zu holen.“ Schließlich beruhigte er sich damit, dass man in Köln sagt: „Wat nix kost’, is’ auch nix.“

Dass die Kölner mit van Gools Verpflichtung als Erste die magische Millionen- Marke überschritten hatten, wurde schnell bekannt – weil der FC es bekannt machen wollte. „So kommt das Thema am schnellsten vom Tisch“, sagt Thielen. Trotzdem gab es hämische Kommentare. Jean Löring, Boss des Kölner Lokalrivalen Fortuna, höhnte: „Für eine Million hätte ich mir lieber einen van Gogh gekauft als einen van Gool.“

Doch gleich in den ersten drei Bundesligaspielen für den FC schoss der Stürmer zwei Tore. „Ich koste viel Geld, aber ich werde auch etwas dafür bieten“, sagte van Gool. 96 Bundesligaspiele hat er insgesamt für die Kölner bestritten, dabei 28 Tore erzielt. Im ersten Jahr wurde er mit dem FC Pokalsieger, im zweiten Meister und Pokalsieger. „Er hat zwei Jahre super gespielt“, sagt Karl-Heinz Thielen. „Im dritten ist er dann etwas abgefallen.“ Im vierten wurde er verkauft. Nur noch zwei Spiele bestritt der Belgier in der Saison 1979/80 für den 1. FC Köln, das letzte am 1. September 1979 beim 0:3 in Stuttgart.

Was dann passierte, bezeichnet Thielen als unverschämtes Glück. Der englische Premier-League-Klub Coventry City verpflichtete van Gool und zahlte für den inzwischen 29 Jahre alten Stürmer 900 000 Mark – nur 100 000 weniger als die Kölner drei Jahre zuvor. „Für diese 100 000 Mark hat der kleine Dribbler den Kölnern geholfen, zweimal Pokalgewinner und einmal Meister zu werden“, schrieb der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Karl-Heinz Thielen sagt: „Letzten Endes war es ein Riesengeschäft.“

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