Liebesgrüße aus Sotschi (6) : Una bolsa, por favor

Hier erzählt unser Sotschi-Korrespondent Claus Vetter täglich Geschichten aus Sotschi. Mit seinen Russischkenntnissen hapert es ein wenig, aber Not macht erfinderisch.

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Claus Vetter, unser Mann in Sotschi.
Claus Vetter, unser Mann in Sotschi.Foto: promo

Mein erster Kontakt mit der russischen Bevölkerung von Sotschi oder, besser, mit den russischen Menschen, die Sotschi bevölkern, fiel nichtssagend aus. Als ich am Flughafen auf Englisch fragte, wo ich mein Gepäck finden könne, bekam ich ein Kopfschütteln als Reaktion. Ich war mir sicher, dass draußen alles besser würde. Die freiwilligen olympischen Helfer würden schon Englisch können.

Von wegen. Können sie kaum. Ich dachte mir: Hättest du doch deinen Russischkurs an der Volkshochschule gemacht, nicht auf deine Unentschlossenheit und den Ressortleiter gehört. Der hatte mir gesagt: „Brauchst du nicht. Ich habe eine Chinesisch-CD in der Schublade, die ist heute noch versiegelt. In Peking ging das auch so.“ Geht in Sotschi auch – ohne Chinesisch. Doch ohne Kommunikationsmittel ist Russland für einen kommunikativen Menschen kein Spaß.

Nach ein paar Tagen Russischhören kam mir eine Idee, manches hörte sich fast wie Tschechisch an. Da kann ich nämlich ein paar nützliche Phrasen. „Dobry den“ oder „dobry vecer“ funktionieren zum Guten-Tag- und Guten-Abend-sagen. Selbst die Sicherheitsleute grinsen mich nun ab und zu an, oder zumindest an mir vorbei. Wer englisch spricht, wird Sturheit ernten, denke ich mir.

Ich stehe im Supermarkt an der Kasse. Also nur nicht englisch, liebes inneres Sprachzentrum: Es schaltet am Englischen vorbei auf meine schwach ausgeprägte Drittsprache und ich verlange auf Spanisch: „Una bolsa, por favor“. Und bekomme eine Einkaufstüte! Peinlich berührt verspreche ich der Kassiererin innerlich, dass ich den Sprachkurs nachhole. Vorm nächsten Russland-Besuch!

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