Sport : Liebesgrüße nach Moskau Milliardär Abramowitsch will ein Stadion bauen

Elke Windisch

Moskau - Sein bislang spektakulärstes Projekt hat Roman Abramowitsch nicht in seinem Heimatland vollzogen. Der vermutlich reichste Mann Russlands hat einen nicht geringen Teil seines Geldes nach London transferiert, um mit dem FC Chelsea die Champions League zu gewinnen. Nun will der 38 Jahre alte Ölmilliardär auch in seiner Heimat investieren. Nach der Enttäuschung über die fehlgeschlagene Olympia-Bewerbung tröstet er die Moskauer mit dem Angebot, ein neues Superstadion im Nordosten der russischen Hauptstadt bauen zu wollen. Die Moskauer Stadtregierung befindet sich laut Vizebürgermeister Walerij Schanzew bereits in konkreten Verhandlungen mit Abramowitsch.

Das Projekt hat wahrhaft olympische Dimensionen. Laut vorläufiger Planung soll das Stadion mindestens 50 000 Zuschauer fassen. Es soll allen sechs Moskauer Erstligisten offen stehen und auch für andere Sport- und Massenveranstaltungen genutzt werden. Schanzew sprach von Russlands „zentraler Sportarena“. Gute Stadien seien momentan leider rar in Russland. Abramowitschs erklärtes Vorbild ist dabei ein Londoner Bauwerk: das Wembley-Stadion. Noch vorsichtigen Schätzungen würde Abramowitsch das Prestigeobjekt insgesamt mindestens 200 Millionen US-Dollar kosten.

Beobachter wähnen hinter dem Angebot vor allem taktische und politische Beweggründe. Abramowitsch ist nämlich außerdem noch Gouverneur der Eismeer-Halbinsel Tschukotka. Seit Beginn dieses Jahres werden die Verwaltungschefs der russischen Regionen nicht mehr direkt gewählt, sondern von Präsident Wladimir Putin mit Zustimmung der lokalen Parlamente ernannt. Abramowitsch wurden bisher keine großen Chancen für eine weitere Amtszeit eingeräumt. Zu Wochenbeginn indes wurde bekannt, dass er ausdrücklich aufgefordert wurde, sich bei Putin schriftlich um die Aufnahme in die Kandidatenliste zu bewerben. Tags darauf wurde das Stadion-Projekt bekannt. Russische Medien sehen das als eine Art Tauschgeschäft an: Vertrauen des Kremls gegen Investitionen in den darbenden russischen Sport.

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