Liebesgrüße aus Sotschi (5) : Hände hoch!

In seiner Kolumne erzählt unser Korrespondent täglich Geschichten aus Sotschi. Diesmal geht es um die rigiden Sicherheitsbestimmungen bei Olympia, an die es sich erst einmal zu gewöhnen gilt.

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Sicher ist sicher. Das gilt besonders bei Olympia in Sotschi.
Sicher ist sicher. Das gilt besonders bei Olympia in Sotschi.Foto: Imago

Piep, piep. Das tägliche Leben ist in Sotschi begleitet von einem Wandern durch Sicherheitsschranken. Am Ende eines Tages wissen die Veranstalter genau, wo ich zu welcher Sekunde einen Kaffee getrunken oder die Toilette aufgesucht habe, so oft wird mein Ausweis abgescannt. Sie wissen weit besser Bescheid über meine Laufwege als meine Redaktion.

Aber es ist ja auch sinnvoll angesichts der vielen Terrordrohungen, sage ich mir, wenn ich den Laptop zum zehnten Mal auf das Förderband eines Scanners lege. Inzwischen bin ich darin Profi, mit ein, zwei flinken Handgriffen komme ich durch. Und wenn mich danach wieder einmal ein freundlicher Russe oder eine freundliche Russin abtasten will (so genau nehmen sie es nicht immer), schnellen meine Arme nach oben – hoffentlich wird diese Bewegung nach drei Wochen Olympia nicht zum Automatismus, könnte sonst peinlich werden daheim.

Ein Abenteuer sind auch die Fahrten in den versiegelten Presse-Bussen. Die Gefährte eines deutschen Herstellers aus Wolfsburg sehen an den Türen inzwischen so aus wie alte Postpakete, die 100 Mal versendet wurden, so viele von den blauen Siegelstreifen kleben an den Türen. Und wehe, jemand macht die Tür zu früh auf. Einmal habe ich es erlebt. Der Kollege bekam einen Einlauf. Und wir: Alle raus, noch mal eingescannt, mit dem Spiegel unter den Bus geschaut und weiter ging es, nach 20 Minuten Zwangspause.

Aber es muss ja sein, oder? Fühlt sich der Mensch sicherer, wenn er dauernd durch Sicherheitskontrollen läuft, oder fühlt er sich bedroht, weil er sich permanent der Bedrohung bewusst ist? Auf dem Weg zum Hotel beantworte ich mir die Frage mit einem klaren Jein. Was denn, wenn wirklich mal was passiert? Dann betrete ich mein Hotel. Durch die Sicherheitsschranke. Samt Laptop und Montur. Piep, piep. Der Sicherheitschef lächelt und winkt mich durch. Er kennt mich ja schon, also lässt er mich piepen. So nach dem Motto: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Auch das gibt es im Hochsicherheitstrakt von Sotschi.

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