Sport : Liebling Hansa

Hertha BSC spielt besonders gern gegen Rostock, weil die Berliner meistens gewinnen – gestern siegten sie 1:0 durch ein Tor von Arne Friedrich

André Görke

Rostock. Eigentlich hätte Stefan Beinlich gestern eine Verabredung mit Dieter Hoeneß haben sollen. Am 19. April, nach dem Spiel bei Hansa Rostock, so hatte es geheißen, wollte sich der Mittelfeldspieler mit seinem Arbeitgeber Hertha BSC über die Verlängerung seines Vertrages unterhalten. Inzwischen hat sich die Sache wohl erledigt, Beinlich wechselt nach dieser Saison zum Hamburger SV, und wenn er noch eine Bestätigung für seine Entscheidung benötigt haben sollte, so hat er sie gestern bekommen. Beinlich saß im Rostocker Ostseestadion, beim 1:0-Sieg seines aktuellen Klubs Hertha BSC gegen seinen ehemaligen Verein, den FC Hansa, 53 Minuten nur auf der Ersatzbank, ehe er für den rotgefährdeten Josip Simunic eingewechselt wurde.

An Beinlichs Stelle führte Pal Dardai die Mannschaft als Kapitän aufs Feld, die vakante Position in der Anfangsformation nahm der erst 20 Jahre alte Alexander Madlung ein. Der junge Verteidiger war es auch, der nach anderthalb Minuten die erste Torchance für Hertha hatte. Nach einem Freistoß Marcelinhos kam Madlung in Hansas Strafraum zum Kopfball, er traf den Ball allerdings nicht richtig. An der Torauslinie rutschte Andreas Schmidt heran und beförderte den Ball an die Unterkante der Latte.

Hertha begann das Spiel schwungvoll, so, wie es Trainer Huub Stevens und Manager Hoeneß gefordert hatten. Allein in den ersten zehn Minuten kamen die Berliner zu drei Ecken, die allerdings ohne Konsequenzen für die Rostocker blieben. Doch der Schwung der Berliner ließ dann recht schnell nach. Das Spiel war in der Folge holprig wie der Rasen im Ostseestadion. Siebenmal zeigte Schiedsrichter Kinhöfer die Gelbe Karte, für Dardai, Prica und Meggle war es jeweils die fünfte. Sie fehlen nächste Woche.

Die beste Chance der Begegnung hatte Hansas Stürmer Bachirou Salou, dessen Schuss in der achten Minute nach einer schönen Kombination über Prica und Aduobe nur knapp am Berliner Tor vorbei ging. Von Herthas brasilianischen Angreifern Alves und Luizao hingegen war wenig zu sehen. Gefährlich waren die Berliner in der ersten Halbzeit nur noch durch Weitschüsse. Goor scheiterte mit einem Volley-Aufsetzer an Hansas Torhüter Schober, Dardai traf aus 18 Metern mit einem abgefälschten Ball nur die Latte. „Wir hatten schon relativ gute Möglichkeiten für ein Auswärtsspiel“, sagte Hoeneß.

Vor allem für die zweite Hälfte traf die Aussage von Herthas Manager zu; doch wie schon vor einer Woche, beim 1:0-Sieg gegen den VfL Bochum, ließen die Berliner viele Chancen ungenutzt. Madlung scheiterte unbedrängt mit einem Kopfball an Schober, Alves köpfte kurz darauf völlig frei stehend am Tor vorbei. Dass Hertha nach dem Spiel über die vergebenen Chancen nicht allzu laut jammern musste, lag daran, dass Arne Friedrich kurz nach der Pause den Führungstreffer für seine Mannschaft erzielt hatte. Herthas Nationalspieler verlängerte eine Flanke Marcelinhos mit dem Hinterkopf ins Tor. Für den Abwehrspieler war es der vierte Saisontreffer. „Wir haben das Tor gemacht“, sagte Trainer Stevens. „dann muss man zufrieden sein.“

Hertha versäumte es, mit zum Teil dilettantisch ausgeführten Kontern, das Spiel vorzeitig für sich zu entscheiden. Fünf Minuten vor Schluss schien Stefan Beinlich genug zu haben von der allgemeinen Unentschlossenheit, entschieden trat er gegen den Ball – und traf die Latte. Seine beiden brasilianischen Kollegen Marcelinho und Luizao hatten sich zuvor umständlich den Ball im Rostocker Strafraum zugespielt. Es reichte auch so gegen Herthas Lieblingsgegner. Nur einmal, im ersten Spiel nach dem Aufstieg in die Bundesliga, hat Hertha gegen Hansa verloren. Das 1:0 am Samstagnachmittag war der neunte Sieg im zwölften Spiel.

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