Sport : Liegen geblieben

Der Radsprinter Jan van Eijden verpasst einen ganz besonderen Geschwindigkeits-Rekord

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Von Hartmut Moheit

Berlin. An Selbstvertrauen fehlt es Jan van Eijden nicht – trotz allem. Nach einer Saison, in der der Radsprinter aus Dudenhofen entscheidende Niederlagen erlitt, ist das nicht selbstverständlich. Der Abstieg vom Weltmeister 2000 in Manchester zum B-Kader-Athleten 2003 ging rasend schnell. „Natürlich ist das enttäuschend“, sagt van Eijden, „aber ich habe schon einige Tiefs überwunden.“ Im Alter von 26 Jahren könnte er im Bahnradsport die besten Jahre noch vor sich haben. Wichtig für ihn war es in der schwierigen Situation, „den Kontakt zur Konkurrenz nicht ganz verloren zu haben“. Das Angebot eines Fernsehsenders, als Kommentator bei der Bahnrad-WM in Kopenhagen dabei sein zu können, nahm er an. Sportlich hatte er das Ticket nicht buchen können. „Jetzt wissen wenigstens alle, dass es mich noch gibt, dass sie mich nicht abschreiben dürfen“, sagt er.

1999, ein Jahr vor dem großen Triumph in England, stand van Eijden vor einer schlimmeren Situation. Im Berliner Velodrom glaubten die Kontrolleure, ihn des Dopings überführt zu haben. Sein Hämatokritwert, der prozentuale Anteil der roten Blutkörperchen in einem Liter Blut, lag knapp über der erlaubten 50. Er wurde disqualifiziert. „Ich wollte alles hinschmeißen“, erinnert er sich an die Zeit, in der „sehr viele zu mir gehalten haben“. Erst später, an der Freiburger Uniklinik, stellte sich heraus, dass van Eijden von vornherein einen höheren Wert hat. Folgerichtig ist er rehabilitiert worden, hat ein Attest für einen erlaubten Volumenanteil von bis zu 52 bekommen. Viermal im Jahr muss er dem Weltradsportverband UCI gegenüber den Nachweis erbringen, unter dieser Maßgabe sauber zu sein. 1999 hat er sich selbst aus Lausanne seine Fahrer-Lizenz zurückgeholt. Dem Tief in van Eijdens Karriere folgte wenige Monate später das Hoch.

Heute glaubt der Olympiafünfte erneut an seinen Aufstieg. Direkt von der Rad-WM in Kopenhagen aus flog van Eijden deshalb in bester Laune in die USA, wo er die Saison wenigstens auf spektakuläre Weise ausklingen lassen wollte. Sein selbstbewusstes Ziel: „Ich werde versuchen, den Weltrekord mit dem Liegendrad anzugreifen.“ Einmal im Jahr im Oktober trifft sich in Battle Mountain in Nevada ein besonderes Völkchen. Mit Rädern, die dem Aussehen nach einer Flugzeugkanzel ähneln, wird dort bei der World Human Powered Speed Challenge auf einem kerzengeraden Highway um jede Zehntelsekunde gekämpft. „Es gibt Räder, in deren Kanzel ein kleiner Monitor eingebaut ist und in denen der Fahrer allein den Kamerabildern von außen vertraut“, erzählt van Eijden von den Rädern der Konkurrenz.

Mit solchen Finessen konnte sein WhiteHawk-Team aus Bergisch Gladbach nicht aufwarten. Vielleicht war das der Grund dafür, dass Jan van Eijden den großen Star der Szene und dessen Rennzeiten, Sam Whittingham, nicht annähernd erreichte. Der Kanadier verbesserte seinen Weltrekord auf der 200-Meter-Messstrecke von 129,73 Kilometer pro Stunde auf 131,874, während der Deutsche knapp unter 110 km/h blieb. Seine Schlussfolgerung: „Ich habe zwar auf der Teststrecke in Dudenhofen gut trainieren können, aber bei einem Sprinter reicht die Puste nicht. Das sind schließlich acht Kilometer Anlauf und dann die 200 Meter im vollen Speed, insgesamt dauert so ein Lauf sechs Minuten.“ Wenn Jan van Eijden auf der Straße trainiert, wie derzeit, schwankt sein Puls gerade einmal zwischen 130 und 150 Schlägen. Ein Sprinter wie er braucht eben Schnellkraft, weniger Ausdauer.

Für van Eijden geht es nun wieder um den Sprint und um seine Rückkehr in die Weltspitze. Für Olympia 2004 in Athen möchte er sich noch einmal schinden. „Die Situation wird aber für mich nicht dadurch einfacher, dass es für Deutschland in Kopenhagen nur im Keirin einmal WM-Bronze gab, aber bestimmt auch nicht schlechter“, betont der Pfälzer. Nur in einem Punkt ist er skeptisch: „Ich glaube kaum, dass ich nach meinen Leistungen in dieser Saison zu irgendeinem Sechstagerennen eingeladen werde.“

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