Sport : Ligapokal: Gut fürs Selbstvertrauen

Stefan Hermanns

Jürgen Röber hatte die Antwort schon im Kopf; nur stellte der Moderator vom ZDF nach Herthas Sieg gegen Bayern München leider nicht die dazugehörige Frage. Herthas Trainer sagte trotzdem, was er sich vorher überlegt hatte: Er redete über das erste Bundesligaspiel seiner Mannschaft in acht Tagen beim FC St. Pauli in Hamburg. So ist das eben. Eigentlich geht es für Röber und Hertha BSC heute (17.45 Uhr/live in der ARD) im Ligapokalfinale gegen den FC Schalke 04 um den ersten Titel dieses Spieljahres, doch die Gedanken drehen sich längst um die Bundesliga, den weit wichtigeren Wettbewerb. Herthas Fans sehen das offenbar genauso: Gestern Morgen begann der Vorverkauf für das Spiel gegen St. Pauli. Innerhalb einer Stunde waren alle Karten weg. Der Beginn einer neuen Hertha-Euphorie in der Stadt? Es ist wohl eher so, "weil St. Pauli so ein kleines Stadion hat", sagt Herthas Pressesprecher Hans-Georg Felder. Für die Anhänger aus Berlin gab es lediglich 1900 Tickets.

Immerhin haben die Fans heute im Mannheimer Carl-Benz-Stadion und morgen in der Alten Försterei (gegen den 1. FC Union) noch zwei Gelegenheiten, die neue Hertha spielen zu sehen. Aber auch wenn es im Ligapokal eine futuristisch anmutende Ausgabe der guten alten Meisterschale zu gewinnen gibt und dazu ein Preisgeld von 2,5 Millionen Mark, so gilt der Wettbewerb doch gemeinhin als bessere Vorbereitung auf den Ligaernst. Aber ist er wirklich nicht mehr? Als die Bayern im Vorjahr ihren Finalgegner Hertha BSC mit 5:1 deklassierten, löste dies einen regelrechten Bayern-Hype aus: Wer soll diese Mannschaft überhaupt noch schlagen?, fragte die Konkurrenz beinahe ehrfürchtig, und eine Woche nach dem Ligapokalfinale verlor Hertha fast folgerichtig auch das erste Bundesligaspiel gegen die Bayern mit 1:4.

"Es tut unserem Selbstvertrauen gut, dass wir im Endspiel stehen", sagt Röber. Die Bayern schlägt man schließlich nicht alle Tage. Und dem Selbstvertrauen im Hinblick auf die Bundesligasaison würde es mit Sicherheit auch nicht schaden, sollte Hertha gegen den Meisterschaftszweiten Schalke ebenfalls erfolgreich sein. In der vorigen Saison gab es gegen den heutigen Gegner zwei Niederlagen: im Herbst ein deprimierendes 0:4 als Tabellenführer im eigenen Stadion und in der Rückrunde ein 1:3 nach 1:0-Pausenführung in Gelsenkirchen.

Die Begegnung gegen die Schalker könnte also weitere Aufschlüsse darüber geben, ob die aktuelle Hertha-Mannschaft wirklich die beste ist, die es jemals gegeben hat. "Wir sind gut drauf", sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Ein solches Urteil - das weiß auch Hoeneß - kann schnell überholt sein. Allerdings gibt es eine Woche vor Saisonstart mit Sicherheit Schlimmeres, was sich über den Leistungsstand der Mannschaft sagen ließe.

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