Sport : Ligapokal: Mehr als ein Kirmeswettbewerb?

Stefan Hermanns

Vor ein paar Wochen, im Trainingslager von Hertha BSC, leistete Dieter Hoeneß eifrig Überzeugungsarbeit. Mit gewissem Nachdruck versuchte der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten einigen Journalisten klarzumachen, dass der DFB-Ligapokal alles andere als eine unbedeutende Kirmesveranstaltung sei. Allen Widerständen zum Trotz beharrte Hoeneß auf seiner Feststellung, dass es sich bei diesem alljährlichen Sommerpausen-Überbrückungs-und-Fernsehgelder-Beschaffungswettbewerb um eine ernste Angelegenheit handle. Heute wissen wir: Hoeneß hat Recht.

Eigentlich nimmt den Ligapokal niemand ernst - es sei denn, man gewinnt ihn. Dieter Hoeneß ist offensichtlich die große Ausnahme. Man muss ihm schließlich zugute halten, dass er vor ein paar Wochen nicht wissen konnte, dass Hertha in diesem Wettbewerb triumphieren würde und trotzdem von dessen Bedeutung überzeugt war. Hoeneß gehört also nicht zu denen, die erst jetzt nach dem Erfolg von Mannheim in unangebrachte Euphorie verfallen. Man kann es ja schon nicht mehr hören, dass Hertha - endlich, endlich, endlich - den ersten nationalen Titel seit 70 Jahren gewonnen hat.

Hallo! Es ist nur der Ligapokal. Der war bis Sonnabend so unbedeutend, dass die Stadien gar nicht klein genug sein konnten, damit wenigstens ein bisschen Stimmung auf den Rängen aufkommt; so unwichtig, dass das Finale gerade mal zehntausend Zuschauer live in Mannheim miterleben wollten, und so nebensächlich, dass Schalke seinen Ersatztorhüter auflaufen ließ und einige andere, die in Pflichtspielen nur bei fortdauernder Verletzungsmisere zum Einsatz kämen. Seit Sonnabend aber steht der Wettbewerb fast auf einer Stufe mit der Champions League. Zumindest in Berlin.

Andererseits gibt es natürlich Schlimmeres, als das Finale des Ligapokals zu gewinnen. Es zu verlieren zum Beispiel. Die Bayern siegten in diesem Wettbewerb viermal; dreimal wurden sie anschließend auch Deutscher Meister. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang, das könnte den Herthanern so gefallen. Vielleicht lag es aber auch ganz einfach daran, dass die Bayern in den letzten drei Jahren die eindeutig stärkste Mannschaft in Deutschland hatten.

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