Ligapokal : Prädikat: wertvoll

Warum sich die Bayern über den Gewinn des Ligapokals freuen.

Guido Schäfer[Leipzig]
Altintops
Der Sieg bleibt in der Familie: Münchens Hamit gegen Schalker Halil Altintop. -Foto: ddp

Lucio, der manchmal grobmotorisch wirkende Brasilianer in Reihen des FC Bayern München, sank beim Abpfiff auf die Knie und riss die Arme in den Leipziger Abendhimmel. Der Fußball-Weltmeister von 2002 kniete also vor sich hin, harrte seiner mitfeiernden Sportkameraden, die sich ganz bestimmt in Bälde einfinden würden, um den 1:0-Sieg im Ligapokal-Finale gegen Schalke stilecht zu begehen. Lucio wartete vergebens, erhob sich irgendwann und stakste zur Siegerehrung. Auch diese verlief eher kühl.

Bis zum Brasilianer hatte sich offenbar noch nicht herumgesprochen, dass der Ligapokal einem echten Bayern nur ein müdes Lächeln zu entlocken hat, dass ein Oliver Kahn diese Schüssel nur auf Zuruf der Fotografen stemmt, dass er und seine Mannschaft eigentlich andere Titel gewohnt sind. Eigentlich, doch nach einer schlechten Saison war man immerhin in Münchens Führungsetage froh über einen geglückten Saisonstart. „Das war ein Sieg des Willens“, sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld nach einem schwachen Spiel. „Es war auch vieles Improvisation. Aber nach der letzten Saison wollten wir gleich den Titel holen.“

Das Spiel hatte knapp zwei Wochen vor der Saison keine großen Erkenntnisse für die Fußballfans gebracht. Dreieinhalb Chancen, acht gelbe Karten, ein Zufalls-Törchen durch Miroslav Klose in der 29. Minute. Viel war es nicht, was die Einkommens-Millionäre aus München und Gelsenkirchen den still leidenden 43 500 Zuschauern im Zentralstadion vorsetzten. Vielleicht lag es ja auch an der Besetzung: Die Bayern waren ohne Schweinsteiger, Toni und Ribéry angetreten, Schalke zwar mit der Stammelf, aber ohne Esprit. Immerhin gab Schalkes Trainer Mirko Slomka zu, dass er „kein gutes Spiel“ gesehen hatte. Und so bleiben den Fans nur kleine Szenen von einem nicht gerade großen Fußballabend übrig: ein kurzes Lachen auf Kloses Gesicht, der langsam wieder an Selbstvertrauen gewinnt, einige interessante Zweikämpfe des Brüderpaars Hamit (Bayern) und Halil Altintop (Schalke), ein ehrgeiziger Bayern-Coach Hitzfeld, der zu bedenken gab: „Wir können ja nicht immer glänzen.“ Er weiß, dass die Erwartungen an sein mit 70 Millionen Euro zusammengekaufte Spitzenteam hoch sind – und hält sie auch selbst hoch. Niemand soll bei den Bayern übermütig werden.

Vielleicht lobte auch in diesem Wissen Kahn den „Willen“ seiner Sportkameraden und verlieh der dünnen Darbietung dennoch das Prädikat wertvoll. „Ich bin froh, dass wir nur 1:0 gewonnen haben“, sagte Kahn. „Sonst wären einige wahnsinnig geworden.“ Auch Manager Uli Hoeneß, der eines fernen Tages von Kahn beerbt werden soll, schien glücklich, dass der Halbfinal-Gala gegen Stuttgart (2:0) und dem 4:0 gegen Bremen eine biedere Nummer folgte. „Mir ist das ganz recht so. Ich fürchte, dass wir in der allgemeinen Euphorie um die neue Mannschaft zu hoch gehoben werden und die Spieler glauben, nichts mehr tun zu müssen.“

Hoeneß hat das schon berühmt gewordene Festgeld-Konto seiner Bayern geplündert, um Ribéry, Toni, Schlaudraff, Jansen und Sosa zu holen. Jetzt hat er sichtbar Angst um seine zweibeinigen Schätze. „Wie wir in diesen Ligapokal-Spielen gefoult worden sind, geht auf keine Kuhhaut“, schimpfte Hoeneß auf die Konkurrenz. „Unsere Spieler müssen da auch von den Schiedsrichtern geschützt werden.“ Als der Manager dieses Statement unters Volk brachte, saßen die Fans schon in den Kneipen und tranken sich das schwache Finale des Ligapokals schön.

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