Sport : Lila Pappe gegen Doping

Anke Myrrhe

Es ist eine Brille, durch die man nichts sieht. Ein einfacher lilafarbener Pappstreifen, ziemlich lang und auffällig, der in der kommenden Woche in großen Mengen an die Besucher der Leichtathletik-Weltmeisterschaften verteilt wird – auf Initiative der DDR-Dopingopfer. Eine einfache Brille, die durch ihre Undurchsichtigkeit zum doppelten Symbol für den Umgang mit Doping wird: Zum einen steht sie sinnbildlich für das Augenverschließen der Zuschauer und Funktionäre vor der Realität und bietet darüber hinaus die Möglichkeit eines stillen, aber offenkundigen Protestes. Zweifel an der Sauberkeit eines Wettkampfes können durch Aufsetzen der Brille zum Ausdruck gebracht werden. „Ich will das nicht sehen!“, steht darauf.

Das Bild passt. Und auch wenn diese Brillen in Berlin vielleicht nach Beginn der Wettkämpfe ebenso in Vergessenheit geraten werden wie das Protestbändchen bei den Olympischen Spielen in Peking, so kann die Aktion bereits jetzt als gelungen bezeichnet werden. Die DDR-Dopingopfer zeigen damit, dass sie tatsächlich in die Zukunft schauen wollen und sich nicht – wie es häufig den Anschein hatte – rückwärtsgewandt nur mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit beschäftigen, ein Thema bei dem sich viele Sportfans inzwischen genervt abwenden. Der spielerische Umgang macht den Zugang zu diesem Thema leichter.

Außerdem geht es bei der Aktion nicht um die Opfer von damals, die bewusst nicht selbst die Brillen und Flyer verteilen. Es geht um die potenziellen Opfer von heute und morgen, die wahrscheinlich auch bei dieser WM an den Start gehen.

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