Sport : Limitierte Saison

Felix Meininghaus

Drei Gegentore in neun Minuten, und das beim erklärten Lieblingsgegner Hannover, wo Borussia Dortmund seit 1970 nicht mehr verloren hatte: Das sind die Parameter einer Krise, die überrascht – die aber vorauszusehen war. Viel zu sehr ist das limitierte Personal von Borussia Dortmund seit Saisonbeginn überschätzt worden, viel zu sicher fühlten sich die Macher im Verein.

Das eklatante Schnelligkeitsdefizit und der Mangel an Persönlichkeiten im Kader waren von Anfang an offensichtlich. Eigentlich hätte sich das Ziel, ein Startplatz im internationalen Wettbewerb, verboten. Sportdirektor Michael Zorc für den schlimmen Ist-Zustand an den Pranger zu stellen, erscheint legitim; er muss eine verfehlte Transferpolitik verantworten. Andererseits haben auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Ex-Trainer Bert van Marwijk die Zugänge für gut befunden. Und soll man Zorc und den anderen ernsthaft zum Vorwurf machen, sie hätten vorausahnen müssen, dass ein hochgelobter Stürmer wie Nelson Valdez eine Katastrophensaison hinlegt? Die Vorstellung, dass der im Winter verpflichtete Trainer Jürgen Röber eine Mannschaft mit so wenig Ausstrahlung (und aktuell vielen Verletzten) allein mit knackigen Parolen zu neuen Perspektiven führen würde, erscheint reichlich naiv.

Was bleibt? Nur der Vorsatz, eine verkorkste Saison mit möglichst wenig Schaden zu Ende zu bringen, um danach den personellen Umbau einzuleiten. Acht bis zehn Millionen Euro netto will die Dortmunder Vereinsführung in schnellere und tatkräftigere Beine investieren. Dass dies nur knapp zwei Jahre nach dem drohenden finanziellen Gau wieder möglich erscheint, ist in Zeiten der sportlichen Depression die einzige erfreuliche Nachricht für Borussia Dortmund.

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