Sport : Lincoln

Wie der Schalker das 1:3 gegen Hertha erlebte

Stefan Hermanns

Passend zum ersten Höhepunkt des Tages erscheint das Gesicht von Lincoln in Großaufnahme auf dem Videowürfel der Arena Auf Schalke. Der Spieler des Monats Oktober soll geehrt werden, und es ist – nicht Lincoln, sondern sein Kollege Gerald Asamoah. Dabei ist Lincoln, die brasilianische Nummer 10 des FC Schalke, der Spieler der letzten Wochen gewesen. Seitdem Ralf Rangnick die Schalker trainiert, hat der Mittelfeldspieler vier der 13 Tore seines Teams erzielt, drei weitere vorbereitet.

„Er hat schöne Auge, gut Denke, gut Bewegung, gut Schuss mit rechte Fuß“, hat Schalkes Stürmer Ailton über seinen Landsmann gesagt. Niko Kovac muss sich um den Mann mit den vielfältigen Fähigkeiten kümmern. In der dritten Minute stürmt Lincoln auf Kovac zu, der Berliner lässt ihn auflaufen. Kovac spielt eine ballorientierte Manndeckung gegen Lincoln. Wenn der Schalker Hertha gefährlich zu werden droht, wird er von seinem Gegenspieler in Manndeckung genommen; wenn Lincoln sich im Niemandsland ausruht, orientiert sich Kovac zum Ball.

Lincoln darf sich noch als echter Mittelfeldregisseur betätigen: Den Defensivpart übernehmen andere, sein eigener Beitrag besteht darin, bei Freistößen von der Seite die Mauer zu bilden und bei Ecken den langen Pfosten zu decken. Nach vorne hat Lincoln alle Freiheiten. Nur weiß er die an diesem Nachmittag nicht zu nutzen. Seine gefährlichste Aktion hat Lincoln weit weg vom Tor: Bei einem Zweikampf im Mittelfeld schlägt er Herthas Andreas Neuendorf mit der Faust ins Gesicht. Fußballerisch überzeugt er nur in der 84. Minute: Sein Schuss aus 18 Metern fliegt an die Latte. Lincoln schießt von allen Schalkern am häufigsten auf des Gegners Tor, fünfmal insgesamt.

In der 81. Minute zirkelt Lincoln eine Ecke auf den Kopf von Ebbe Sand, dessen Kopfball kratzt Andreas Neuendorf noch von der Linie. Es ist die einzige Chance, die der Brasilianer einleitet. 66-mal kommt er an den Ball, er spielt neun Fehlpässe und lässt sich viermal den Ball vom Fuß stehlen. Dafür leitet er den Ball zweimal erfolgreich mit der Hacke zu seinen Kollegen. Beim dritten Versuch sieht er aus dem Augenwinkel wieder ein blaues Trikot. Diesmal aber rollt der Ball ins Aus. Gustavo Varela, der Adressat, steht an der Seitenlinie, weil er eingewechselt werden soll.

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