Linke Fans bei Babelsberg 03 : St. Pauli des Ostens

Der SV Babelsberg 03 pflegt sein alternatives Image

Thomas Schöbel

Die Fans des Fußball-Regionalliga-Aufsteigers SV Babelsberg 03 haben es nicht leicht. „Wir ziehen Faschos an, egal wo wir hinkommen“, erzählt Erik vom Fanklub „Filmstadt Inferno 99“, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung sehen will. „Wir sind als der linke Verein bekannt und verschrien. Die Faschos kommen, um zu pöbeln und suchen Randale.“ Kein anderer Verein in der NOFV-Oberliga Nord, außer dem BFC Dynamo, führt deshalb so viel Polizei mit sich wie Babelsberg. Auch zum letzten Spiel der Saison wird dies nicht anders sein, wenn der BFC am heutigen Sonntag (14 Uhr) in Babelsberg gastiert.

Obwohl es in diesem Spiel für beide Mannschaften um nichts mehr geht, haben sich bis zu tausend BFC-Anhänger aus Berlin angekündigt. Besonders brisant: Das Hinspiel wurde von den Babelsberger Fans aus Protest gegen das rechtsradikale Publikum des BFC boykottiert.

Der prominente BFC-Fan und Autor Ahne von der Lesebühne „Die Surfpoeten“ meint allerdings, dass in den vergangenen Jahren die BFC-Fans sensibler mit diesem Vorwurf umgehen. Ihn als überzeugten Linken störe das rechte Image des Klubs, sagt Ahne. Er hofft, dass sich der Wandel weiter fortsetzt.

Überzeugte Linke sind sie in Babelsberg eigentlich alle. Man lebe anders im „Roten Nowawes“, wie der Stadtteil früher im Volksmund genannt wurde, erklärt Babelsbergs Geschäftsführer Ralf Hechel. Die Fans in der Nordkurve, allen voran die Ultra-Gruppierung „Filmstadt Inferno 99“, geben sich betont linksalternativ. „Wir definieren uns als antirassistische Fußballfans, die sich offen gegen Rassismus artikulieren, ihn in unserem Umfeld nicht dulden und auch bereit sind, Aktionen dagegen zu starten“, stellt Fan Erik klar. Diese Grundhaltung wird auch vom Verein mitgetragen. „Die linke Orientierung ist über die breite Vereinsmasse da“, sagt Hechel. Er spricht sich aber gegen zu viel Politik im Stadion aus. Lächelnd erklärt Hechel: „Das ist doch ein Fußballstadion und kein Politik-Stadion.“

Kapitän Patrick Moritz bestätigt, dass der Mannschaft ein linker Klub wesentlich lieber sei als ein Verein mit rechtem Image. Von den Fans wird gern das Bild vom „St. Pauli des Ostens“ kolportiert und darin gefällt man sich. „Es ist alles kuschelig hier“, sagt Hechel, wenn er auf die Stimmung in seinem Verein angesprochen wird. In Vorstand und Aufsichtsrat sitzt jeweils ein Fanvertreter, auch die Stadionzeitung oder das Merchandising werden von den Anhängern selbst organisiert. Der Klub hat ein eigenes Fanprojekt, das seit dem einjährigen Gastspiel in der Zweiten Bundesliga 2001 besteht. In der Oberliga ist das ungewöhnlich.

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