Sport : Links, rechts, Kehrtwende

Kampf um Motorrad-WM: Sachsenring will nun doch wieder, Lausitzring droht leer auszugehen

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Kriegt er die Kurve? Der Sachsenring zog seine Absage zurück.Foto: dapd
Kriegt er die Kurve? Der Sachsenring zog seine Absage zurück.Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Auch beim ADAC ist Politikverdrossenheit inzwischen ein ernstzunehmendes Problem geworden. Angesichts der Machtkämpfe zwischen den Landesverbänden fühlt sich auch in Deutschlands größtem Automobilklub mancher schon „wie in der Bundespolitik“. Ein schönes Beispiel dafür ist der Streit um den alljährlichen deutschen Lauf zur Motorrad-WM, der längst zu einer ADAC-internen Haushaltsdebatte geworden ist. Den jüngsten Redebeitrag dazu lieferte der ADAC Sachsen, der das Rennen nun doch auf dem Sachsenring halten will. Der große Verlierer wäre der Lausitzring, der eigentlich einspringen sollte.

Was bisher geschah: Der ADAC Sachsen übertölpelte die Zentrale in München vor knapp einem Monat mit einer Pressekonferenz, auf der man erklärte, das Rennen am 8. Juli 2012 aufgrund finanzieller Probleme nicht austragen zu können. Daraufhin fragte der brüskierte ADAC München als Rechteinhaber des Laufs beim Lausitzring an. Der erklärte nach einer Kostenkalkulation seine Bereitschaft – allerdings „nicht als Lückenbüßer“, wie Geschäftsführer Bert Poensgen betonte. Man wolle zumindest eine Option als längerfristiger Austragungsort der MotoGP.

Daraufhin vollzog sich im ADAC eine Kehrtwende. Sachsen-Finanzvorstand Detlef Hastreiter sandte eine Mitteilung gen München. Darin bat er die Zentrale, die die „Entscheidungsgewalt“ habe, „die Rahmenbedingungen für die Ausrichtung des WM-Laufs 2012 so zu verhandeln, dass der ADAC Sachsen die Veranstaltung ohne Defizite durchführen kann“.

Beim Adressaten stößt das Hin und Her aus Sachsen nicht eben auf Begeisterung. Trotzdem wird in München nun noch einmal gerechnet – nicht zuletzt deshalb, weil der Sachsenring seit 1998 als Zuschauermagnet weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen gewissen Kultstatus erlangt hat. „Wir führen im Hintergrund intensive Gespräche“, sagt Lars Soutschka, Leiter Motorsport beim ADAC Deutschland. Dass die sich vor allem um den Sachsenring drehen, lässt sich auch daraus ableiten, dass man am Lausitzring nach eigenen Angaben schon lange keinen Kontakt mehr nach München gehabt habe.

Laut Soutschka erörtert der ADAC derzeit „viele verschiedene Konstellationen“, wie der kalkulierte Verlust von 850 000 Euro für das Rennen in Hohenstein-Ernstthal auszugleichen ist. Kommunen und involvierte Firmen wie Energieversorger und Tribünenbauer haben bereits signalisiert, dem Sachsenring hier entgegenkommen zu wollen. Soutschka erklärt, man spreche auch mit dem spanischen WM-Veranstalter Dorna, der eine erhöhte Gebühr von rund drei Millionen Euro und Infrastrukturmaßnahmen wie größere Kiesbetten fordert. Die Dorna favorisiert dem Vernehmen nach einen Verbleib in Sachsen und ist offenbar ebenfalls zu finanziellen Zugeständnissen bereit.

So verfestigt sich langsam Eindruck, dass der Sachsenring im WM-Kalender und der Lausitz nicht nur im ADAC-Haushaltspoker bloß die Zuschauerrolle bleibt. „In acht bis zehn Tagen“ will der ADAC laut Soutschka „alle Informationen beisammen haben, um die Öffentlichkeit mit einer Entscheidung zu informieren“.

Bis dahin bleibt dem Lausitzring nur das Abwarten und das Kopfschütteln über die Volten im ADAC. So fragt man sich etwa, warum vermutlich aus ADAC-Kreisen plötzlich Zweifel an der Asphaltqualität des Lausitzrings gestreut werden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und stehen absolut bereit“, erklärt Sprecherin Carolin Schneider. Trotzdem droht die Hoffnung auf den großen Motorsport ein weiteres Mal zu platzen. Doch damit kann man in Klettwitz wohl niemanden mehr schockieren. „Wir haben vor der MotoGP existiert“, sagt Schneider, „und wir werden auch ohne sie weiter existieren.“

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