Sport : Links vor rechts

Sportler laufen und fahren, wie beim Sechstagerennen, am liebsten entgegen dem Uhrzeigersinn – warum?

Claus Vetter

Berlin. Rechtsrum ging nicht, sagt Didi Thurau. „Das haben wir einmal auf der Bahn probiert, da sind wir mal in die entgegengesetzte Richtung gefahren“, erzählt der ehemalige Radprofi. Das Experiment auf den Planken endete im Chaos. „Da gab es einen Sturz nach dem anderen“, sagt Thurau. Der Hesse ist viele Sechstagerennen gefahren und das immer nur in eine Richtung: „Linksrum haben wir von klein auf gelernt, deshalb können wir Radprofis das auf der Bahn besser als andersrum.“ Beim Bahnradfahren wird entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren, das war schon immer so, das wird auch beim heute im Velodrom beginnenden Berliner Sechstagerennen nicht anders sein. Auch bei anderen Sportarten sind Linkskurven bevorzugt: Bei den Läufern, in der Leichtathletik oder beim Eisschnelllaufen.

Ist der Linksdrall nur Konvention, oder gibt es andere Gründe dafür, dass Sportler Rechtskurven nicht so gern mögen? Etwa weil der Mensch das Herz am rechten Fleck, also links hat? Sportmediziner Jens Ziesche hält die Antwort auf die Frage für kompliziert, sagt aber: „Die meisten Menschen sind Rechtshänder, das heißt, bei ihnen ist die linke Gehirnhälfte aktiver. Daher fällt es ihnen leichter, sich nach links zu orientieren als nach rechts.“ Schlittschuhläufer kennen das: Für die meisten ist es einfacher, den rechten Schlittschuh nach links zu übersetzen als den linken nach rechts. Und die meisten Feld- und Eishockeyspieler halten den Schläger in die linke Richtung. Die linke Gehirnhälfte, der Funktionen wie logisches und analytisches Denken attestiert werden, steuert die Bewegungen der rechten Seite des Menschen. Während die rechte Hemisphäre, der Musikalität und Kreativität zugeschrieben werden, die Bewegungen der linken Körperseite steuert.

Beim Laufen lieben es die Menschen links, beim Fahren im Auto aber gibt es ein Unentschieden zwischen den Richtungen – in vielen Ländern wird auf der rechten Seite gefahren, in manchen aber auch links. Und beim Motorsport? Da gibt es eine prominente Abteilung in der linksrum schicker ist als rechtsrum: In der Formel 1 donnern Michael Schumacher und Kollegen fast überall im Uhrzeigersinn über den Asphalt – nur in Monaco und Brasilien wird andersrum gefahren.

Wie wäre es denn mit einem Richtungswechsel außerhalb des Motorsports? Was für Didi Thurau ein Albtraum war, fände etwa Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, die im Velodrom den Startschuss zum Sechstagerennen gibt, gar nicht so schlecht. „Ich würde in die Hände klatschen, wenn wir in die andere Richtung fahren würden“, sagt sie. „Bei entsprechendem Training wäre ich genauso schnell wie jetzt.“ Sie schon, aber andere? Pechstein lacht. „Genau, ich hätte mit dem Richtungswechsel keine Probleme. Andere dagegen schon, und das wäre mein Vorteil.“ Ihre Flexibilität ist allerdings nicht naturgegeben, gibt Pechstein zu. „Ich habe als Kind sieben Jahre Eiskunstlauf gemacht und musste mich bei den Figuren in alle Richtungen drehen können.“

Ein Rennen im Uhrzeigersinn ist allerdings beim Eisschnelllauf nicht geplant, genauso wenig bei der Wettfahrt auf der Bahn. Wobei ein täglicher Richtungswechsel beim Sechstagerennen nicht uninteressant wäre, zumindest die Terminologie des Radsports bereichern würde – etwa mit Begriffen wie „Linksfahrer“ oder „Rechtsspezialist“.

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