Live aus dem Stadion : Marcel Reif: Vorteil Schalke, man mag es kaum aussprechen

Marcel Reif kommentiert für den Tagesspiegel die Bundesliga.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Und trotzdem, trotz Hoffenheim, trotz der Borussia Klopp und auch trotz Mark van Bommels Lust am Verderben, ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass sich die Kronprinzen der Liga am Samstag in Bremen getroffen haben, bei Werder gegen Schalke. Mit Vorteil für? Mit Vorteil, man mag es ja kaum aussprechen, für 04. Und auch, wenn sie stark kämpften und erst spät zum Remis kamen.

Sie haben auf Schalke einen guten Trainer geholt, sie haben sich bestens verstärkt, es herrscht bei allem, was zu hören ist, glänzende Stimmung, es scheint Disziplin vorhanden zu sein, und vor allen Dingen – und noch mal, man traut sich kaum , es offen zu sagen – es scheint eine Richtung zu geben. Schalke und eine Richtung, gute Güte, ist das zu vereinbaren? Offensichtlich, und gegen Werder war diese Richtung sogar zu erkennen: Es geht nach vorne, es scheint Nahhaltigkeit zu wachsen, Zielstrebigkeit, und augenscheinlich sind die Siege über Borussia Dortmund nicht mehr alleiniges Saisonziel.

Schalke nimmt die Folklore nicht mehr ausschließlich wichtig, großer Fußballgott, wenn sie das durchhalten, und wenn den FC Bayern ereilt, was vergangene Woche angesprochen wurde, nämlich die Lustlosigkeit an den Alltäglichkeiten, ja dann, dann könnte Schalke 04 in dieser Saison sogar, aber nein, das wage ich nicht einmal in Erwägung zu ziehen.

Und Werder? Ob Werder mal wieder einen personellen Coup gelandet hat mit der Verpflichtung von Claudio Pizarro? Möglich ist das, Pizarro ist erst 29 Jahre alt, er hat noch einiges zu zeigen, er kennt Bremen und Werder, er kann wichtig werden. Allein, am Samstag in der ersten Halbzeit war der gute Mann an Schober schon vorbei und traf doch nicht ins Tor wie so in all den Jahren zuvor nicht. Aber ob ein Pizarro reicht, ein wieder zurück kehrender Diego, um Werders notorische Schwäche der zweiten Reihe auszugleichen?

Notorisch verdächtig auf einen Platz für die Champions League ist Werder allemal. Und für die Meisterschaft? Na ja, die Bayern drehten in Dortmund das Spiel noch mit zehn Mann, offensichtlich wollen sie sich nicht schon früh in der Saison allein auf die europäische Bühne konzentrieren. Für diesen Fall bleibt für die Kronprinzen aus Gelsenkirchen und Bremen nur Platz zwei. Und in der Angelegenheit Hoffenheim setze ich auf den großen Fußballgott.

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