Sport : Live aus dem Stadion

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DER 33. SPIELTAG

Herrje, sollte wirklich nicht möglich sein, was wünschenswert wäre? Keine Sorge, ich bin schon objektiv – also, deshalb, ganz objektiv hat doch wohl Bayer Leverkusen die Meisterschaft verdient, oder? Wäre doch mal zu schön, wenn diejenigen, die fast eine ganze Saison lang die meiste Freude verbreitet haben, dafür auch belohnt würden. Und die allerfeinste Pointe wäre es, wenn in all dem Gerede um Märkte und Rechte und Raten im Fußball der Fußball durch Leverkusens meist leidenschaftliches Spiel als Sieger davonginge. Aber leider, die Wirklichkeit, die Wirklichkeit. Die sah gestern in Nürnberg so aus: Ramelow wütet in der eigenen Hälfte, meckert, sieht die Gelbe Karte, Ballack meckert, sieht die Gelbe Karte – und der 1. FC Nürnberg macht das Tor. Sind es doch wieder die eigenen Nerven, die die Leverkusener in die Verzweiflung treiben?

Muss man doch wieder die Historie bemühen, muss U N T E R H A C H I N G buchstabieren? In der Münchner Vorstadt erlebte Bayer vor zwei Jahren sein Debakel und verschluderte am letzten Spieltag den Titel zu Gunsten des FC Bayern. Kann passieren, dass künftig Nürnberg zitiert werden muss als der Ort, an dem Bayer den Titel verschenkte zu Gunsten von Borussia Dortmund.

Was ist das, was die Leverkusener in den unterschiedlichsten Konstellationen, also mit verändertem Personalbestand erneut auf der Zielgeraden straucheln lässt? Toppmöller von Nürnberg ist nicht Daum von Unterhaching, der Ballack, der noch in Unterhaching das entscheidende Eigentor fabrizierte, ist nicht der Ballack von heute, ist Star und Saisongewinner und Gewinn für den Fußball (in diesem Zusammenhang, im Zusammenhang der Spielführer eine kleine Klammer: Stefan Effenberg, ach du lieber Gott...). Aber warum sind dann die Leverkusener von Nürnberg nicht die Leverkusener, die am Mittwoch Manchester United hergespielt haben nach Belieben? Die die Bayer-Mannschaft 2002 zur allseits beliebtesten Bayer-Mannschaft aller Zeiten gemacht haben? Natürlich werden sie müde gewesen sein nach den Strapazen der Champions League, natürlich lähmt auch die Angst vorm Versagen die Beine – aber warum Angst haben, wenn das Selbstbewusstsein berechtigt so groß sein könnte, wie ein Fußballfeld weit ist?

Red mir keiner vom Sieger-Gen, vom Loser-Gen, von der Unfähigkeit zum Triumph und vom Versagen vor den Big Points. Reden wir lieber davon, dass Fußball so schön sein kann, so schön wie ihn uns Bayer in dieser Saison so oft geschenkt hat. Und reden wir lieber davon, dass Fußball furchtbar ungerecht sein kann, so furchtbar ungerecht.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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