Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 2. SPIELTAG

Nun ja, gesagt hatte ich vergangene Woche schon, dass Borussia Dortmund den Titel nicht verteidigen muss und dass Bayer Leverkusen wieder Leverkusen sein darf und nicht mehr den Meister der Tragik zu geben braucht. Daran hat sich auch nichts geändert, schon alleine, weil beide Klubs ihre Ambitionen freiwillig an die Bayern aus München abgetreten haben. Aber nur stolz zu schwadronieren, dass sie in Dortmund das junge Herz der deutschen Nationalmannschaft schlagen lassen – nein, das dürfte dann doch etwas zu wenig sein. Das haben sie durchaus fein hingekriegt bei der Borussia, sich zu wandeln vom Klub der Millionarios zum Klub im Aufbau - aber was nützt es, wenn sich die doch so jungen und erbaulichen Burschen, dieser Kehl, Frings, Rosicky, so vorführen lassen wie in der ersten Halbzeit von Leverkusen. Und dann auch nur zurückkommen ins Spiel, weil die Leverkusener sich gedanklich offensichtlich bereits auf den Grillabend eingestimmt hatten.

Schöner ist eigentlich, was die Leverkusener im ersten Abschnitt boten. Wo war da der Aderlass, der Verlust von Ballack und Ze Roberto? Da machten sie weiter, wo sie in der vergangenen Saison aufgehört hatten: in der Offensive, in der Spielfreude, in der Leidenschaft, die in Leverkusen offensichtlich auch so einen schwierigen Patienten wie den Neuling Simak zu befallen scheint. Der HaraldToniTünn Schumacher hatte vor dem Spiel eine Art Wahrheitsanfall, als er bemerkte, dass man auch verlieren dürfe gegen Borussia Dortmund, das ja nun wahrlich keine Pappnasenmannschaft habe, und schließlich, dass nicht mal eine Niederlage berechtige, von einem Fehlstart zu sprechen.

Nun, Letzteres hätten sie in Dortmund, hätte besonders Trainer Matthias Sammer ganz anders gesehen, man hat ihn in Leverkusen ja auch schon ein wenig zornig gesehen, weil ja schon wieder losging, was bei aller Bescheidenheit doch nicht losgehen sollte: dass diese Leverkusener mit diesem nicht so arg geliebten Trainer Toppmöller schon wieder den schöneren Fußball spielen – und er sich mit dem Trost zufrieden geben musste, dass seine Mannschaft noch den Ausgleich schaffte. Aber da war ja auch etwas sommerliche Gelassenheit rauszuhören aus Schumachers erstaunlichem Statement, und Sammer war nur ein wenig zornig. Gerade so wie zwei Männer, die die Meisterschaftsansprüche bereits jetzt, nach nur zwei Spieltagen, abgetreten haben. Darf ich mir etwas weniger Vorhersehbarkeit wünschen?

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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