Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 3. SPIELTAG

Tja, ob die graue Maus nun ein bunter Hund wird, weil sie sich einen Tiger gefangen hat? Ist schon gut, ich gebe ja zu, dass der Aua-Faktor des vorherigen Satzes ziemlich hoch liegt. Aber kann man anders als kalauern über Stefan Effenbergs Austragstüberl in Wolfsburg? Darf man doch wohl so sehen, dieses merkwürdige Engagement. Und ist auch gar nicht gegen Effenberg gemeint, weil es mir schnurzegal ist, was ihn motiviert hat, in die Provinz zu ziehen.

Sein Denkmal zerstört er dort sicher nicht, weil, wo nichts mehr ist, auch nichts zerstört werden kann. Und ich meine damit nicht seinen ersten Auftritt für den VfL: Wer aus dem Ruhestand zurückkehrt, der läuft eben nach dem Kaltstart nicht wie das Auto, für das er auf seiner Brust wirbt. Und dem läuft dann so ein anderer Exzentriker, der Bielefelder Brinkmann nämlich, den Rang ab. Egal, sollen Effenberg und Sforza (der andere stinkstiefelige Rückkehrer) doch bis zu ihrer Rente glauben, sie seien von irgendeiner Wichtigkeit. Was man sich allerdings fragen darf: Was, mit Verlaub, hat die Wolfsburger geleitet, und ob sie dabei gut beraten waren (Noch eine Klammer: Bei Sforzas Lauterern ist die Sache klar: Da wird die vereinsvorherrschende Wirrnis Vater des Transfers gewesen sein). Der Versuch, die extreme Mittellage zu verlassen, erscheint mir arg hastig zu sein und läuft Gefahr zu enden, wie es bei kleinen Kindern endet, wenn die zu schnell laufen: Die fallen nämlich auf die Nase.

Bitteschön, theoretisch kann das ja klappen, aber in der Regel führt eher die adäquate Steigerung zum Ziel. In der Wolfsburger Praxis müsste nun eine Mannschaft, deren bisheriges Geheimnis es war, aus Gleichen zu bestehen, sich zu Füßen legen einem Star mit Alleinvertretungsanspruch. Umgekehrt ginge es natürlich auch, aber dass Effenberg verzichtet, Effenberg zu sein? Nein, eher stellt VW die Produktion auf Hollandräder um. Aber bringt es das, wenn eine Mannschaft sich opfert für einen in die Jahre gekommenen vormaligen Star, dessen Fußballspiel schon in seinem letzten Jahr bei Bayern an die Grenze zum gerontologischen Experiment stieß? Oder ging es den Wolfsburgern am Ende gar nicht um sportliche Entwicklung, sondern um ein bisschen Rummelbude mit Dame ohne Unterleib und Tigern auf zwei Beinen? Tja, dann ist ja der erste Satz gar kein Kalauer, sondern das Konzept. Ein ziemlich konzeptionsloses allerdings.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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