Sport : Live aus dem Stadion

NAME

Von Marcel Reif

DER 8. SPIELTAG

Regresspflichtig wird er wohl nicht zu machen sein, dieser Unglücksrabe, der erstmals vom „Weißen Ballett" sprach und den FC Bayern München meinte. Aber verfluchen werden sie ihn beim FC Ruhmreich. Inzwischen, muss man wohl sagen, denn anfangs waren sie ja mächtig stolz, auf diese Weise mit den Göttlichen von Real gleichgestellt zu werden. Anfangs sprach auch Vorstand Karl-Heinz Rummenigge vom besten Kader aller Zeiten. (Na ja, zugegeben, anfangs habe auch ich gesagt, es gibt in dieser Saison eine Bundesliga und es gibt den FC Bayern München).

Nach drei von 17 möglichen Spielen in der Champions League und einem Kick gegen Bayer Leverkusen sind wir alle ein wenig klüger und wissen, dass lediglich der Schein das Bewusstsein der Münchner prägt, das Sein aber ihre Realität. Der Schein, die Nurejews des Balles zu sein, die besten aller Zeiten, schlagbar allenfalls auf dem anderen Stern, von dem sie kommen. Das Sein sieht allerdings ein wenig trüber aus.

Denn was nützt es ihnen, wenn sie kleine fußballerische Oktoberfeste gegen den VfL Bochum feiern, wenn laxe Einstellung für Cottbus reicht und für die Nachbarn, die Löwen, aber schon nicht mehr für damals nur kämpfende Leverkusener? Nichts, wenn sie am Ende nur leidlicher Landesfürst sind, statt souveräner Regent Europas.

Sprach ich gerade von Einstellung? Die zeugte nun zuletzt nicht gerade davon, dass Fußball auch für die Bayern, auch und gerade für ihre Abwehr, die mehr ein Abwehrchen ist, dass also auch für sie Fußball immer noch mehr ein Lauf- denn ein Tanzspiel ist. Die allerdings, die Einstellung nämlich, war vorgegeben worden von den Chefs, die sich kommod einzurichten schienen im Erreichten – muss es wundern, dass sich die Spieler damit solidarisch erklärten?

Nein, da war zuletzt einiges aus dem Ruder gelaufen beim FC Bayern, zum Beispiel auch, dass niemand, offensichtlich auch nicht der doch so fehlerfreie Trainer Ottmar Hitzfeld, den Spielern klar gemacht hat, dass Michael Ballack zwar so gut ist, wie alle sagen, aber nicht mal der alleine spielen kann. Schwer zu sagen, ob sie es noch korrigieren können. Gegen den VfL Bochum gelang es, aber, mit Verlaub, was heißt das, Rummenigge spricht jetzt kleinlaut vom Uefa-Cup als Ziel, also von der Höchststrafe für vermeintliche Sternenfänger. Aber möglicherweise kann das ja auch der neue Anfang sein – sich nämlich nicht mehr vom Schein täuschen zu lassen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben