Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 11. SPIELTAG

Ein kluger Mensch hat einmal sinngemäß gesagt, der Fußball sei deshalb so interessant, weil man vorher nie wisse, wie es hinterher ausgehe. Das ist Quatsch. Wenn, wie gestern, der Hamburger SV in Dortmund zu Gast ist, weiß man natürlich vorher, wie es ausgeht. Ehrlich, ich hätte fast jede Summe darauf gesetzt, dass die Borussia gegen den HSV gewinnt, und zwar deutlich gewinnt. Dass es dazu nicht gekommen ist, lag vor allem daran, dass die Hamburger von Beginn an wenig mehr wollten, als, ohne eigenes Tor, den ersten Auswärtspunkt der Saison zu gewinnen; und dass dem BVB am Ende erkennbar die Kräfte schwanden.

Vielleicht sollte die neue HSVFührung trotzdem einen Blick auf den BVB werfen. Am besten auch Werner Hackmann, der geschasste Präsident – damit er sieht, was er alles falsch gemacht hat. Beim BVB war es 1997 ähnlich wie jetzt in Hamburg. Da gab es einen Präsidenten, der hinter dem Rücken des damaligen Trainers Ottmar Hitzfeld mit Spielern essen ging, der glaubte, dem Coach Tipps geben zu müssen, und sich zu schlechter Letzt gar in die Trainingsgestaltung einmischte. Das funktioniert nicht. Nie. Wenn der BVB nach dürren Jahren nun wieder weit oben steht, ist das ein Verdienst desselben Präsidenten, der jetzt all die Fehler vermeidet, die er einst gemacht hat. Gerd Niebaum hält sich im Hintergrund, legt die grobe Linie fest, aber er pfuscht Trainer Matthias Sammer nicht in die Arbeit. Der – das nebenbei – würde sich das auch nicht gefallen lassen.

„Wichtig is auf ’em Platz“, heißt es. Manchmal ist aber auch neben dem Platz entscheidend. Das zeigt der BVB im positiven Sinne, bei dem sich die klare Ordnung im Verein normalerweise auf dem Feld widerspiegelt. Das zeigt auch der HSV, der nicht nur gegen den Gegner spielen muss, sondern auch gegen den Dilettantismus der eigenen Vereinsführung. Da kommt dann so etwas heraus wie Hollerbachs vergebener Elfmeter oder Meijers Rote Karte. Es spricht für die Spieler, dass sie dennoch einen Punkt beim Meister holten. Dass aus der Führung niemand für den Kauf des Argentiniers Ledesma verantwortlich sein will, zeugt beispielsweise nicht gerade von der feinen hanseatischen Art. Eigentlich hätte man gedacht, solche Skandalklubs wie einst Hertha, Hannover oder Düsseldorf gäbe es nicht mehr. Es gibt sie noch.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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