Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 14. SPIELTAG

Einerseits. Einerseits ist es ja ganz schön, dass die ganz großen Emotionen draußen geblieben waren gestern auf dem Betzenberg, beim Treffen des Ersten der Liga mit dem Letzten, auf dem Boulevard der Blätter auch Hass-Gipfel genannt. Schön auch, dass Schiedsrichter Fröhlich deshalb nicht Gefahr lief, die schlimme Statistik über die schlimmen Schiedsrichterleistungen in dieser Saison zu erweitern. Einerseits.

Andererseits wird es so ganz ohne Leidenschaft wohl nichts mehr werden mit der Reanimation des 1. FC Kaiserslautern. Mit so harmlosen Teufelchen, widerstandsunfähigen gar, sind wohl nicht mal mehr kleine Kinder zu schrecken, geschweige denn der FC Bayern München, obwohl bei denen sogar der Tribünen-Stammgast Pablo Thiam eine Zeit lang mittun durfte. Auch gesehen, wie erst Klos, dann Basler unbedrängt über den Ball semmelten? Grad bange konnte einem werden, dass die beiden sich nicht selbst Leid zufügten in dieser Situation. Gottlob, es ist ihnen nichts passiert, womit die positiven Aspekte des Lauterer Spiels allumfassend dargestellt wären.

Aber warum nur? Warum nur konnten die Pfälzer so tief sinken? Den renommierten Sanierer Jäggi haben sie geholt für die Finanzen und gegen die – mindestens – dubiose Vereinsführung. Und den renommierten Trainer Gerets für Taktik und Spielfreude, Tore und Punkte. Zwei Maßnahmen, die durchaus Chancen hatten zu greifen. Sie griffen nicht, jetzt sind es Missgriffe. Nichts scheint mehr zu helfen und niemals schien der Satz vom Fisch, der vom Kopf her stinkt, berechtigter zu sein. Da haben ein paar Vereinsvorstände tatsächlich geglaubt, wichtig zu sein, weil sie mal zufällig Meister geworden waren vor Jahren, so kam ein Weltmeister als Abzocker, Djorkaeff, zum Klub und verbreitete Unmut. So kam auch Sforza wieder zurück, mit gleichen Folgen. Da haben sie den Profilneurosen gefrönt – und frönen ihnen noch heute. So kamen die Wieschemanns zu Aufsichtsratsamt, und dort nicht zu Würden. Alles in allem erbarmungswürdig, was im Klub betrieben wurde, alles in allem folgerichtig, dass sich die Armseligkeit auf dem Rasen fortsetzte und Lincoln etwa allein vor Kahn den Ball nicht schießt, sondern schubst. Eine Chance, ohnehin von Münchner Mitleid gefördert. Das hilft auch nicht. Was hilft? Zur Zeit wohl nur Tränen. Manchmal trösten die.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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