Sport : Live aus dem Stadion

-

Von Marcel Reif

DER 18. SPIELTAG

Der Zustand der Hertha nach dem Spiel gegen den Meister aus Dortmund? Siegreich, das immerhin ist anders als in der jüngsten Vergangenheit. Aber ist es nach diesem Spiel defätistisch, wenn man dem Hauptstadtklub bescheinigt, zu weiten Teilen in Kontinuität zu machen, damit weiterzumachen, womit er am Ende der Hinrunde leider nicht aufgehört hatte? Soll heißen: Toller und notwendiger und hilfreicher Sieg über den Meister, aber weiter Dissonanzen im Kombinationsspiel, knirschendes Getriebe im Aufbau, irgendwie immer am Drücker und irgendwie immer dann doch nicht. Kurzum: Da, wo Hertha sein möchte, ist Hertha noch lange nicht. Immerhin wahrte sie die minimale Chance, sich auf den Weg zu machen, hinzukommen, wo sie hin möchte mit dem ertrotzten Sieg über die Borussia.

Und dennoch: Was sagt uns dieses Spiel der Hertha, nun, da Ausreden nicht mehr gelten, keine anstrengende Weltmeisterschaft mehr die Beine lähmt und Integrationen vollzogen sein müssten? Es sagt, dass der Wille groß ist und Harmonie selten, und eine Mannschaft, die nicht harmoniert, ist doch meistens eine Mannschaft, die sich nicht versteht. Wirklich gutes Betriebsklima war nicht auszumachen gestern im Stadion, und war schon auszumachen, als Trainer Huub Stevens den monolingualen Zweig im multinationalen Kader anordnete. Der Befehl zur Deutschsprachigkeit, mit Verlaub, der ist so aktionistisch und hilflos, wie es die Debatte zum Saisonstart war, ob nun Zwirn oder Ballonseide die rechte Klamotte des Trainers sei. Beim Zuspiel des Belgiers Goor zum Torschützen und Ungarn Dardai war Sprache zumindest kein Thema. Und als der Deutsche Preetz den Brasilianer Marcelinho zum Siegtreffer bediente auch nicht.

Wenn nun irgendwann mal dem ersten Sieg ein, zwei, drei weitere folgen werden, dann war alles richtig, auch der Sprachdiskurs. Und wenn nicht? Wenn Hertha auch in puncto Kontinuität kontinuierlich in der Unbeständigkeit weitermacht, wie so oft in der Vergangenheit? Dann wird der zur Völkerverständigung erdachte Erlass schnellstens in die Cliquenbildung münden. Und Harmonie wird immer noch nicht zu haben sein. Aber seien wir positiv, Hertha hat drei Punkte und Anschluss gehalten. Der Manager Dieter Hoeneß hat dieser Tage eine Wette angeboten, dass sein Team noch die UefaCup-Berechtigung erkämpft. Vielleicht hält man doch nicht dagegen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben