Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 20. SPIELTAG

Mitleid mit Klaus Toppmöller, weil noch nicht vorbei ist, dass geraunt wird, der gute Mann stünde vor dem Abschuss? Aber ja doch, klar, natürlich kann es einen dauern, dass auch ein besseres Spiel in Bochum seinen Leverkusenern keinen Punktgewinn brachte.

Der arme Kerl, der noch so strahlte vor einem halben Jahr, der Wunschtrainer war und Erfolgstrainer und Sympathieträger auch noch und der nun so finster dreinschauen muss, weil nichts mehr ist, wie es war. Nur nebenbei: Sollte morgen immer noch geraunt werden, weil der Vollzug noch ausgesetzt wurde: Sozialromantik ist auch in diesem Falle nicht geboten, Toppmöller wäre auch nach einer Entlassung weich gebettet und steht in wenigen Wochen gewiss nicht nur in Brot, sondern auch wieder irgendwo im Amt.

Nein, nein, ich fordere hier nicht die Entlassung Klaus Toppmöllers und halte es auch nicht für ein Zeugnis guter Kinderstube, wenn sich Giovanni Trapattoni, der Mann, der Italiens Fußball zur Unansehnlichkeit deformierte, wenn der sich jetzt ins Gespräch bringt als Nachfolger. Wenn es noch irgendwie geht mit Bayer Leverkusen und seinem Trainer, dann sollen sie gemeinsam weitermachen, und ein bisschen müssen sie auch weitermachen aus lauter Dankbarkeit fürs Geleistete.

Aber geht es noch? Einfach nur ganz nüchtern betrachtet? Die Fakten sind ja bekannt: Bayer Leverkusen, die große Nummer im deutschen Fußball, hat zwei Spieler abgeben müssen, weil es eine noch größere Nummer im deutschen Fußball gibt; hatte Verletzungspech (wie übrigens andere auch immer mal haben); hat eine integrative Kraft, Ulf Kirsten nämlich, in Rente geschickt – hat also alles in allem ein paar Teilchen des letztjährigen grandiosen Puzzles verloren oder verschludert, das bewerte wer will und wie er will. Puzzleteilchen aber sind nicht zu ersetzen, da muss ein neues Puzzle her, und das baut sich zur Vollendung eben nur langsam auf. Vielleicht haben sie sich in Leverkusen einfach nicht getraut mitzuteilen, dass Mittelmaß das Leverkusener Maß dieser Saison sein wird.

Wahrscheinlicher aber ist, dass sich weder Manager Calmund noch Trainer Toppmöller dazu eignen, Mittelmaß einzugestehen. Jetzt sind sie auf der Suche wenigstens nach diesem Mittelmaß. Mit dem Strahlemann der Vorsaison scheint es nicht zu finden zu sein. So Leid es mir tut.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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