Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 24. SPIELTAG

Der Tanker zieht weiter, machtvoll, unbeirrt, wer will ihn stören? Das Stürmchen im Wasserglas, das Bayer Leverkusen – ansonsten kaum einmal auf ThekenmannschaftNiveau – am Samstag im Münchner Olympiastadion eine Minute und 57 Sekunden lang blies? Das, nämlich Balitschs Schussversuch, erschütterte die Bayern wie die Fliege einen Elefanten erschüttert, und Elber zeigte kurz mit Pass und später mit Pike, wie Fußball geht. Oder sollen die Randschauplätze – a) Kreiß- und Tanzsaal und b) Gerichtssaal – irritieren, auf denen sich a) Oliver Kahn blamiert und b) der klagende Lothar Matthäus? Oder doch die vermeintlich „ehrabschneidenden“ Worte des Managers Uli Hoeneß und der daraus entstandene Kindergartenstreit mit der Deutschen Fußball Liga?

So, und damit hätten wir die nachrichtlichen Höhepunkte der vergangenen Fußballwoche angerissen (zu denen sich aus Berlin noch ein tanzender Brasilianer gesellte, der dann gestern brasilianisch, also brillant, für sein Recht auf Karneval stritt). Um was geht’s eigentlich noch in dieser Saison? In der die Meisterschaft entschieden zu sein scheint. In der die Liga mangels internationaler Konkurrenzfähigkeit um sich selbst kreist. In der das Reden über Fußball angesichts eines ehebrechenden Torhüters, angesichts eines nachtschwärmenden Stürmers schon fast altväterliche Träumerei ist? Als „Scheiß-Saison“ haben unisono der vormalige Leverkusener Trainer Toppmöller als auch Uli Hoeneß die Spielzeit betitelt. Da muss wohl etwas dran sein. Könnte doch sein, dass nach der etwas irrealen Euphorie der Weltmeisterschaft ein ziemlich realer Katzenjammer den Charakter der Saison bestimmt. Oder sollte Bayerns Macht und Herrlichkeit so lähmend sein, dass Aufreger nur noch fernab des Rasens zu finden sind?

Also dann. Dann wird’s ja nicht langweilig. Schauen wir uns eben an, wie Bayer Leverkusen seinen, nun ja, etwas unerfahrenen Trainer Hörster noch ein wenig mehr enteiert durchs Gerede um den eventuellen Sportdirektor Rehhagel. Wie sie von Spieltag zu Spieltag verkünden, erst das nächste Spiel sei das wichtige, ich fürchte das werden sie auch noch behaupten, wenn sie vor dem letzten Spieltag vier Punkte aufzuholen haben auf einen Nichtabstiegsplatz. Dem Tanker wird’s egal sein, der zieht weiter, machtvoll und unbeirrt. Und vor allen Dingen offensichtlich unbeeindruckt von all den Säuen, die durchs Münchner Dorf hetzen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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