Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 25. SPIELTAG

Ach, wenn große Bühnen auch großes Theater garantieren könnten, ach, wäre das schön. Groß ist die Bühne ja, die sie in Hamburg gebaut haben, auch die, die auf Schalke steht. Wenn nun auch noch die Ensembles… Naja, großes Theater ist eben rares Theater. Am Samstag in Hamburg, wo Schalke auf Tournee war, waren die Darsteller eher unpässlich. Oder: Der Rahmen war besser als das Spiel. Dergleichen war schon unter der Woche zu beobachten, als sich keiner von Leverkusen im Nou Camp, auf diesen herrlichen Brettern, die Barcelona bedeuten, beflügelt sah, das Hohe C wenigstens zu versuchen. Dabei bedarf es doch gar nicht viel, uns zu zeigen, warum wir Fußball lieben: Diagonalpass, weitergeleitet mit der Hacke, Flanke, Drehung, Drehung, Tor. Ach, war das schön, als Figo auf Zidane passte, Zidane auf Carlos, Carlos auf Raul und Raul ins Tor. So schön kann Fußball sein.

Zugegeben, so ein, sagen wir, Hollerbach muss schon sehr lange in sich kramen, um das Zidanische in sich zu finden. Aber wollen sollte man es doch wenigstens. Dann ist auch Platz und Zeit für die kleinen Gesten, die die großen Gefühle auslösen. Wieder in Madrid, wieder war Raul beteiligt, und der geleitete nach Abpfiff seinen einstigen und nun für Milan spielenden Kumpel Redondo vor die RealFans. Dann schob er Redondo an die Rampe, trat zurück in die Kulisse und schenkte dem Freund die alleinige Liebe der Fans. Ach, so schön kann Fußball sein.

Wie war das gestern in Hamburg, wo es um viel ging, unter anderem darum, vielleicht einmal Figo und Zidane und Carlos und Raul einmal leibhaftig und aus nächster Nähe erleben zu dürfen? Große Gesten voller Rüpelhaftigkeit, wie die von Poulsens Ellbogencheck und Matellans untaugliche Darstellung eines Pampasstiers. Szenen voller Hilflosigkeit, eine Laienschartruppe, die sich auf der Met versucht. Emotionen? Gefühle? Dass der HSV gewonnen hat gegen am Ende neun Schalker? Nun ja. Ob da in Deutschland vielleicht etwas schief läuft? Da bauen wir so wunderbare Stadien, bauen Kathedralen des Fußballs, und dann hapert’s an den Inszenierungen. Wenn der schönste Moment einer Aufführung der ist, wenn der Vorhang fällt, dann kann die Bühne noch so groß sein, es bleibt Schmiere.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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