Sport : Live aus dem Stadion

-

Von Marcel Reif

DER 31. SPIELTAG

Es gibt ja im Kampf gegen den Abstieg die verschiedensten Varianten. Die eine hat Bayer Leverkusen vergangene Woche in Mönchengladbach praktiziert: Wacker kämpfen und doch nicht gewinnen. Das war bitter. Variante zwei hat Bayer Leverkusen gestern erlebt: gar nicht spielen und trotzdem verlieren. Das ist dann schon nahezu tragisch. Was immer der vorjährige Meister der Schmerzen heute im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld anstellt, es wird nicht reichen, den Abstiegsplatz zu verlassen, weil die Konkurrenz aus Gladbach gepunktet hat. Das ist die Realität, und mit der können sie in Leverkusen aber so etwas von gar nicht umgehen.

Die Realität des Abstiegskampfes. Die heißt rackern, rackern, rackern, das ist Variante drei, und die beherrschen die Männer aus Cottbus, aus Mönchengladbach, aus Rostock schon aus Tradition. Und die beherrschen die Leverkusener nicht, weil sie es lange Zeit nicht wollten, weil sie in ihrer Verblendung viel zu lange glaubten, ihr angestammter Platz sei die Champions League. Als dann die Wirklichkeit die Verblendung enttarnte, sollte Gottesfürchtigkeit helfen und Jürgen Kohler, der FußballGott. Gottesfürchtigkeit hilft nichts im Fußball.

Nun hat sich Christoph Daum, vormals Trainer in Leverkusen, zu Wort gemeldet und eine Analyse, seine Analyse, des Geschehens in Leverkusen zum Besten gegeben. Demnach hat Bayer im Finale des vergangenen Jahres zu viel gewollt statt nur die Meisterschaft. Nun ja, der Daum, könnte man sagen, er selbst hätte ja wohl kaum aufs Champions-League-Finale verzichtet, und, nun ja, das ist dann doch eher unerheblich, was Daum so sagt. Allein, dass er überhaupt zur Sache sich äußert, dass alle Welt sich zur Leverkusener Sache äußert, wirkt es nicht ein wenig wie Leichenfledderei?

Ich fürchte, es steht so schlimm um Bayer. Auch in der vergangenen Woche war als Gegenmaßnahme vorwiegend Hilflosigkeit auszumachen und Fassungslosigkeit. Die Hilflosigkeit, die sich äußert, wenn Manager Calmund immer wieder darauf hinweist, dass die Kämpfer gegen den Abstieg doch vor wenigen Monaten noch im europäischen Finale standen. Stimmt. Ja und? Und die Fassungslosigkeit, die aus den Worten spricht, dass man doch nur drei von den verbleibenden vier Spielen gewinnen müsse. Stimmt vielleicht. Und stimmt vielleicht nicht, wenn nämlich die Mitkandidaten nicht nur reden, sondern punkten. Mönchengladbach, einen Platz vor Leverkusen, hat gestern gepunktet.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar