Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 3. SPIELTAG

Ich nehme mal an, die beiden haben auch schwer geschluckt da oben im Himmel, als die Dortmunder Zuschauer ihnen, dem Boss, dem Emma, ein Lied sangen. Aber ganz sicher haben sie sich auch gefreut, dass man sie nicht vergessen hat, und das wird auch nie passieren. Helden der Herzen vergisst man nicht. Macht’s gut ihr zwei – und danke.

Ansonsten habe ich die letztjährigen Helden der Schmerzen gesehen, die Leverkusener. Die haben ja nun offensichtlich ihre Übung „Scheitern – leicht gemacht“ beendet und sich der Realität, ihrer ureigenen Realität wieder zugewandt. Und die dankt es mit dem dritten Sieg und der Tabellenführung. Wenn sie deswegen jetzt nicht wieder glauben, sie seien Weltmeister, sondern zum Beispiel das äußerst kommode Auftaktprogramm – Freiburg, Frankfurt, Hannover – in der Analyse ihres Spitzenplatzes berücksichtigen, dann hätten sie aus der Geschichte gelernt.

Im Moment sieht es ganz danach aus. Manager Calmund gibt nicht mehr das Epizentrum der Liga, Trainer Augenthaler ist klug genug, niemanden über Scherben laufen zu lassen und auch niemandem zu empfehlen, wie es weiland der FunktionsteamLittbarski tat, die Schuhspanner aus den Schuhen zu nehmen. Verschlankt erscheint Bayer bislang, zurechtgestutzt, gesundgeschrumpft. Ob’s auch an der Realität lag, die die Spieler am Ende der letzten Bundesligasaison verspürten? Als sie reihenweise weg wollten und niemanden fanden, der sie das gleiche horrende Gehalt wie in Leverkusen für wert befand. Das hat ja vielleicht einem wie Schneider, einem wie Neuville die Augen geöffnet, dass sie allein in Leverkusen hofiert werden wie Könige und anderenorts lediglich als gutklassige Fußballspieler willkommen sind. Und auch Lucio, der ja schon in Rom war, begriff im letzten Moment, dass das viele virtuelle italienische Geld möglicherweise am Ende doch weniger ist als das viele echte Geld am Rhein. Und was hat Franca begriffen? Dass auch ein Brasilianer seine Fußballgene erst einmal beweisen muss. Und wie er das tat gegen Hannover.

Und plötzlich herrscht Vernunft in Leverkusen, regiert das Machbare und nicht das Erträumte, gibt Ramelow den Takt vor und kein Sambatanz. Das wird am Ende nicht reichen für die Spitze, so arm wie Leverkusen vergangene Woche gegen Frankfurt, ist Deutschlands Fußball hoffentlich doch nicht. Aber es reicht zur Beruhigung und zur Gewissheit, nicht schon wieder Helden der Schmerzen zu werden. Helden der Herzen werden sie eh nicht, die sitzen im Himmel.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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