Sport : Live aus dem Stadion

-

Von Marcel Reif

DER 5. SPIELTAG

Liebst du mich, oder doch nur mein Geld – der zweifelnde und fragende Ballsportverein Borussia aus Dortmund wird wohl noch ein wenig länger zweifeln und fragen müssen. Woran er ist mit seinen Spielern, weiß er auch nach wochenlangen Diskussionen um Prämienvereisung und nach dem 2:1 gegen Werder Bremen nicht. Wie auch? Wer spielt für den BVB? Klar, der Bremer Ismael. Aber sonst? Wer spielt beim BVB für den BVB? Wer für Geld? Und wer spielt nicht gut genug für sein Geld? Und vor allen anderen Fragen: Wie tauglich ist so eine vertragsrechtlich umstrittene Maßnahme, um fehlgeleitete Profibeine wieder in die Spur zu bringen? Gegen Werder gestern wirkte sie etwa 30, 40 Minuten als Weckruf, aber war es das, was Ewerthon zu deutschtugendhaftem Einsatz und zum ersten Saisontor führte? Man weiß es nicht. Könnte es sein, dass diese Kausalkette etwas populistisch ist, könnte es sein, dass wir in der vergangenen Woche überreich populistische Polemik hatten? Genug davon.

Was aber sichtbar war im Westfalenstadion, war, dass dieser Mannschaft die Balance fehlt, die innere Ausgeglichenheit, die Struktur und Hierarchie, die aus einzelnen Spielern einen einigen Mannschaftskörper macht. Dergleichen hat bei der Kaderzusammensetzung gebildet zu werden, dergleichen ist ausgeblieben. Was fehlt in Situationen, in denen kein Ismael mit absurdem Eigentor die Führung besorgt, ist einer, der die Zügel führt, der denkt und lenkt und schimpft und tobt. Mit einem anderen Wort, es fehlt ein Sammer. Sie haben beim Stadionbau in Steine investiert und beim Kader in Menschen – und unterschätzt, was es für Typen braucht. Nun haben sie eine noch zu junge und ungefestigte deutsche Fraktion, eine divenhafte brasilianische und eine tschechische, von der zu hören ist, wie gerne sie dem Dortmunder Frust gen heimatlicher Nationalmannschaft entflieht. Was sie nicht haben auf dem Platz ist: Sammer.

Der Trainer hat am Samstag dieser Zeitung gesagt, dass er immer noch ein Lernender ist. Das ehrt ihn, das trifft auch den Punkt. Lernende dürfen Fehler machen, die hat er gemacht, als er traumhafte Spieler engagieren ließ für ein Gesamtgehalt, mit dem, sagen wir, der VfB Stuttgart den Kader runderneuert und das Stadion dazu saniert hätte. Spieler waren das, bei denen er das Sammersche Element blind vorausgesetzt hatte. Blindheit und Liebe hängen manchmal zusammen. Liebst du mich oder doch nur mein Geld, die Frage bleibt weiterhin offen beim BVB. Trotz des Sieges.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben