Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 9. SPIELTAG

Rar sind sie wohl diese Momente des Fußballglücks, aber es gibt sie noch: diese wunderbare Lage, wenn zwei Mannschaften raus gehen aufs Spielfeld und jede für sich denkt, euch zeigen wir es, euch zeigen wir, dass wir besser sind. Und wenn sie dann noch so unbeschwert sind und so unbelastet von Routine wie derzeit der VfB Stuttgart und Werder Bremen, dann kommt dabei ein richtig gutes Spiel heraus.

Wie gehabt gestern an der Weser in Bremen, mal abgesehen von den etwas ruppigen letzten Minuten. Traurig nur für die Gastgeber, dass die Schwaben bei der Beweisführung die etwas besseren Argumente hatten. Sie haben ja ohnehin eine Menge zu trauern in Bremen, mehr aber auch nicht. Sie sind gut beraten, wenn sie ihrem Manager Klaus Allofs folgen und Schalkes unfreundliche Übernahme Bremer Spieler als Fluch der guten Tat begreifen. Weil sie so gut geworden sind, interessiert sich die Konkurrenz, das geht dem VfB Stuttgart ja nicht anders, wo die Herren Käufer aus südlichen Gefilden schon die Angebote für Kevin Kuranyi durchkalkulieren. Man darf dann weinen als Betroffener, aber nicht zetern, so ist nun mal das Leben.

Schön, wenn man dann Träume hat, wie Werder und der VfB. Visionen von der Unbekümmertheit der Jugend, die sich Bahn bricht und Erfolge einfährt. Das hat ja alles seine herrliche Richtigkeit, wie der VfB und wie auch Werder durch die Saison stürmen, das macht auch nachhaltig Freude (und auch dem Hildebrand im Stuttgarter Tor wird die Laune nicht vergällt sein, dass seine tolle Serie als unbezwungener Torwart gerissen ist durch ein Tor, das keins hätte sein dürfen, weil der Ball deutlich aus dem Spiel war).

Aber natürlich ist das Glück endlich, natürlich wird es vorbeigehen, und gewiss wird es Kümmernis geben, wenn die unbekümmerten Jungs weggekauft werden von den Mächtigen des Geschäfts.

Aber wird dann die Weser rückwärts fließen oder der Neckar austrocknen? Nichts dergleichen wird passieren, außer dass sie dann wieder von vorne anfangen müssen und sollen und dürfen: Freude verbreiten nämlich, das ist ihre Bestimmung – um die Champions League balgen sich andere.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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