Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 13. SPIELTAG

Ein klasse Spiel in Dortmund, ein kurioser Verlauf erst zu Ungunsten der Besseren, dann zu Ungunsten der Mehreren, nun ja, leider auch ein paar finale Nickeligkeiten, das alles vor einer Kulisse, die ein wenig die Luft raubt – es war alles in allem wahrscheinlich ganz gut, dass hier zu Lande nach dem Schock über französische Überlegenheit der Spielbetrieb noch nicht eingestellt wurde. Es stand zu fürchten nach den traumatischen Reaktionen. Gottlob, es hat sich niemand entleibt.

Warum auch, wir leben noch und, wenn man sich das Spiel zwischen Dortmund und Leverkusen betrachtet, gar nicht mal so schlecht. Das hat Spaß gemacht, die Leverkusener zu erleben, sozusagen die Hertha der letzten Saison. Nichts davon ist mehr geblieben, vor allen Dingen nicht die Trauer um den Verlust von Ballack und Zé Roberto. Da spielt jetzt eine Mannschaft, die niemanden mehr vermisst, soll doch Zé Roberto woanders niemandem nützen.

Und muss man die Dortmunder bedauern oder die, die ihnen zuschauen? Nein, es sind zwar harte Zeiten für Schwarz-Gelbe, und sie werden unter der Woche nicht leichter werden, wenn es gegen Sochaux geht, aber wenn ein Team ohne zwölf Stammspieler spielt und dann mit einem 19-Jährigen Gambino aufwartet, dessen Tore den Spielverlauf auf den Kopf stellen, kann es so arg nicht sein. Inzwischen hält auch Trainer Sammer weitgehend den Mund, nach seiner albernen Androhung, in Abstiegsgefahr geraten zu können, fügt er sich in eine gewisse Abgeklärtheit.

Gut, gut, vielleicht ist vom Vereinsfußball nicht rückzuschließen auf den Zustand des nationalen fußballerischen Schaffens. Und, gut, gut, möglicherweise zaubern Borussen-Brasilianer und Bayer-Brasilianer eleganter als Bundesligahelden, aber warum soll sich das nicht auch mal ändern? Der Tomas Rosicky, zum Beispiel, kommt auch nicht aus Sao Paulo, und der VfB Stuttgart ist keine Laune der Natur. Will sagen: Es besteht Hoffnung, weil da überall im Lande etwas heranwächst, was irgendwann zusammenwächst und dann nicht mehr Ballfertigkeiten und Spiellust bewundert, sondern selber zelebriert. Bis dahin wäre ein bisschen Zutrauen in die deutschen Fußballfähigkeiten hilfreich. Wohin Zutrauen führt, zeigt derzeit Stuttgart, zeigt Bremen, und gestern in Dortmund zeigte es auch Leverkusen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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