Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 24. SPIELTAG

War das toll! Sind sie nicht super, unsere Bayern, unsere Vorzeige-Fußball-Bayern. So leicht, so spielerisch, wie sie gestern Hansa schon nach wenigen Minuten in die Niederlage schickten. Und diese Willensstärke, besonders von Michael Ballack, als er aufs Tor schoss vor dem 2:0 und tatsächlich auch die Richtung fand. Na gut, gereicht hat es nicht.

Im ersten Spiel um die Goldene Ananas waren die Bayern also wieder einmal zeitweise voll auf der Höhe. Um mehr spielen sie ja wohl nicht mehr - oder allenfalls noch um die kaum mehr akademische Chance auf die deutsche Meisterschaft. Es geht um Platz zwei für die Bayern, und der ist nach dem bisherigen Verständnis der Bayern eine Ananas, aber nicht mal eine goldene. Oder hat sich da etwas geändert? Der Vorstandsvorsitzende Rummenigge war nach dem wehrlos hingenommenen Scheiden aus der Champions League gegen Real Madrid hin und weg vor Stolz über seine tolle Truppe. Wozu sich zwei Erklärungen anbieten. Erstens: Rummenigge war hoch fiebrig, als er redete. Dann müsste Vereinsarzt Müller-Wohlfarth tätig werden. Zweitens: Der FC Bayern nimmt Abstand davon, das schönste, reichste, dominierendste Gebilde zu sein, das der Fußball hervorzubringen vermag. Dann muss man uns das nur mal sagen. Für diesen Fall würden wir nämlich auch ins Lob verfallen, würden uns freuen, dass Bayern gegen Real nur verloren hat und nicht hoch verloren. Würden sagen, dass Ballack im Rahmen seiner Möglichkeiten spielt, und die sind nun mal begrenzt. Und wir würden die Einstellung der Spieler nicht tadeln, auch nicht nachfragen, was Aufgabe des Trainers ist, sondern respektvoll den eigenen Willen der Spieler feiern. Man muss es uns ja nur sagen, dass die Bayern nichts anderes sind als der Rest der Liga.

Aber nein, es ist alles ganz anders, hat Rummenigge gestern gesagt. In der nächsten Saison würden die Ansprüche wieder gehoben. Was sagt uns das? Dass noch zehn Spieltage zu spielen sind, und die Bayern mangels anderweitiger Beschäftigung den Kalender abarbeiten werden. Sie werden sich mangels Beschäftigungsmöglichkeiten vorwiegend mit sich selbst beschäftigen. Gestern, gegen Rostock, fing die Selbstzerfleischung an.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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