Sport : Live aus dem Stadion

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Von Marcel Reif

DER 28. SPIELTAG

Rasenschach, heißt es, erfreut so manchen Trainer. Was aber ist mit Trainerschach? Also jener Variante des menschlichen Miteinanders, wie es der FC Bayern seit ein paar Wochen zur unschönen Aufführung bringt? Das ist doch Schach, was die Bayern mit ihrem Trainer Hitzfeld spielen, mit Finten und klaren Ansagen, mit Umwegen und Blockaden, mit verhinderten Königsmördern, mit dem etwas winkeligen Springer – den mimt der Rummenigge, Karl-Heinz – mit dem Turm in der Schlacht – den gibt der Manager-Uli, mit dem König im Hintergrund, das ist im Bayern-Fall immer ein Kaiser, mit einer angedeuteten Rochade, in deren Verlauf ein schachkundiger Trainer aus Stuttgart ins Spiel kommt, der Felix Magath – nur zum Bauernopfer fehlt die Besetzung oder denkt jemand ernsthaft, dazu tauge Hitzfeld?

Zur Erinnerung: Ottmar Hitzfeld hat noch ein weiteres Jahr lang Vertrag. Es geht also keineswegs um eine notwendige Debatte, die die Bayern vor Wochen angezettelt haben. Keine Frage, ein Trainer steht zur Disposition, wenn er seinem Auftrag nicht nachkommt. Der Auftrag lautet beim FC Bayern automatisch: Veränderung des Briefkopfes durch Addition eines (na ja, okay), zweier (gut, sehr schön) oder dreier Titel (so soll es sein). Auch gestern gegen Schalke 04 sah es nicht so aus, als gelänge wenigstens noch eins dieser Vorhaben. Aber sind dennoch die Überlegungen, ob es weitergeht mit diesem Trainer und wie, nicht auf leicht höherem Niveau zu führen?

Stattdessen prescht Rummenigge mit gehörigem Mangel am Benimm und Respekt in die eine Richtung, Hoeneß rudert wild in die andere Richtung zurück, und beides so zeitnah, dass man den Verdacht der Doppelpass-Ränke nicht los wird: Mach ich den Bösen, machst du den Guten, und wir zusammen den Trainer mürbe. Und nebenbei machen wir dem Magath in Stuttgart schon mal schöne Augen.

Wird’s so gemacht? Dann wünscht man sich doch, dass Mannschaft und Trainer doch noch die Wende schaffen, Magath seiner schwäbischen Liebe treu bleibt und Hitzfeld anschließend den Läufer macht: haste nicht gesehen weglaufen. Patt wäre dann wohl diese Partie zu nennen, bewegungslos, das dümmste aller Resultate. Die Wirklichkeit? Mit dem Sieg gegen Schalke und dem Bremer Punktgewinnen hat sich Hitzfelds Stellung nicht verändert – Hängepartie. Hängepartien mit Menschen sind grausam. Schach den Stillosen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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