Sport : Live aus dem Stadion

-

Von Marcel Reif

DER 29. SPIELTAG

Die Frage, ob es einen Fußball-Gott gibt, ist wahrscheinlich nicht endgültig zu beantworten. Fingerzeige aber, die hat es in den vergangenen Wochen, in der ablaufenden Saison hinreichend gegeben. Wenn man sich in Europa so umschaut – und europäisch denken wir in unserer bescheidenen Bundesliga doch wohl auch noch – wenn man sich also so umschaut, wo sind sie geblieben, die Großen, die Namhaften, die Galaktischen und Herrscher übers Fußballreich? Die, für die in dieser Saison nur die Champions League zählte und für die Meisterschaft und der nationale Pokal nur lästige Dreingaben waren? Also Real, Arsenal, Inter und AC Mailand, der FC Bayern München? Weg vom Fenster! Was will uns der Fußball-Gott damit sagen? Mutmaßlich, dass große Worte keine Tore schießen.

Womit wir bei Borussia Dortmund sind. Es ging ja gestern gegen den FC Bayern vor allem um die Zukunft, um die Teilnahmeberechtigung am Uefa-Cup, die seit dem gestrigen Sieg wieder ein bisschen sicherer geworden ist. Bravo, grandiose Saisonbilanz. Und um die Ruhrgebietsmeisterschaft ging es auch! Das ist doch mal etwas, am Ende einer langen Spielzeit, Schalker und Bochumer Kicker hinter sich zu lassen. Da dürfte dem zahlenden Dortmunder ganz warm ums Herz werden mit seinen 80 000 Kumpels im Stadion. Mit so einer Zielvorgabe dürfte es schwer sein, in die nächste Saison zu starten. Ein zweites Mal kommen sie damit nicht durch – und müssen doch erst einmal aufpassen, dass ihnen niemand wegläuft.

Man hört sie schon in Dortmund reden, davon, dass sie auch in der nächsten Saison eine attraktive Mannschaft vorstellen werden. Mal abgesehen davon, dass die verkündeten Verkaufsverpflichtungen teurer Spieler eine fulminante Geschäftsgrundlage sind und ein Steilpass für Uli Hoeneß, der ihn auch gleich höhnend aufnimmt, mal abgesehen von alldem, klingt die Ankündigung, auch wieder eine attraktive Mannschaft zusammen zu bringen, doch arg nach Marktgeschrei: Leute kommt, hier gibt es Menschen, Tiere, Sensationen, und unsere Dame ohne Unterleib ist auch wieder sehr attraktiv. Mir scheint, es wurde Zeit, dass der Fußball-Gott mal ein wenig strafend dazwischenfährt.

Noch ein Wort zu Europa. Da hat Ministerpräsident Berlusconi vor kurzem gesagt, man solle ihn wählen und er würde Italien so gestalten wie den AC Milan. Gott hatte ein Einsehen und schickte La Coruña. Dort schwadroniert man nicht, dort siegt man.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben