Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ottmar Hitzfeld in Ehren und Wehmut verabschiedet, Bixente Lizarazu auch, Sebastian Deisler mit Freuden und erfolgreichem Torschuss wieder zurück, der Klub auf Reserveticket bereit für die Champions League – zum Schluss hielt die Saison doch noch ein Happyendlein bereit für unseren liebreizenden und schicksalsgeplagten FC Bayern. Und das Böse? Wo steckt das Böse? Im Detail mutmaßlich, im diffizilen Herumgeeier um Hitzfelds Demission, das nur kurz kaschiert wurde gestern im Olympiastadion von den Huldigungen der Fans und den Schluckbeschwerden Ottmar Hitzfelds: Der Meister der Unterkühltheit war diesmal in dieser Disziplin nur zweiter Sieger, dass Tränchen rauswollten, war offensichtlich – wie schön.

Das Leben geht weiter, Ottmar Hitzfeld verlässt den FC Bayern nicht als armer Mann, er verlässt ihn auch nicht als geprügelter Hund, den schwarzen Peter über das Wie und Werden des Vertragsabbruches hat der Bayern-Vorstand und haben die Spieler. Von denen hat’s geheißen, sie hätten ihren Trainer im Stich gelassen. Gut und unschön, aber könnte man nicht auch sagen, das Team habe mit ihren desolaten Leistungen gegen Werder und in Stuttgart den Trainer erlöst von der Qual, mit lustlosen Spielern noch ein Jahr unter einem zerstrittenen Führungstrio zu leiden? Nur mal so gedacht, man wird ja wohl auch mal ein wenig spinnen dürfen am letzten Spieltag.

Oder folgte alles einem viel größeren, geheimen Plan? Was wird eigentlich passieren, wenn die Nationalmannschaft in Portugal bei der EM so grandios auftritt wie gegen Rumänien? Und dann, oh weh, haben wir in zwei Jahren die WM im eigenen Lande, das sind doch, sozusagen, die beckenbauerschen Weltmeisterschaften. Wohl nicht anzunehmen, dass es dem Herrn Kaiser wohlgefällt, dabei blass auszusehen mit der eigenen Mannschaft. Also, will spintisieren: Wenn die Nationalelf nicht Europameister wird oder voller Tragik scheitert, steht dann nicht auch Rudi Völler zur Debatte? Und welcher Trainer, na, ist dann frei?

Man könnte einwenden, das hätte Beckenbauer auch ohne Rausschmiss Hitzfelds am Ende dessen Vertrages haben können. Aber hält ein gescheiterter Völler so lange durch, oder muss ein Interimsmann installiert werden für ein Jahr und, wohin dann mit dem? Nur mal so gedacht. Man wird ja spinnen dürfen am 34. Spieltag. An dem alles gut wurde für unseren liebreizenden FC Bayern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben