Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Wer da nun genesen ist vom Geist der Champions League und nun aufgebaut ist für die Mühen der Bundesligaebenen? Werder Bremen, der Meister, der meisterlich einen Rückstand gegen Valencia aufholte? Na gut, meisterlich, da half schon auch die Unterzahl des Gegners. Oder Bayern München, das einst weiße Ballett und nun güldene Ensemble, das hell strahlend Ajax Amsterdam abfertigte? Na gut, strahlend, da half schon auch die freundliche Unterstützung der abwehrfreien Niederländer. Aber was war geblieben und davon zu sehen gewesen gestern in Bremen beim Spitzentreff? Dass Michael Ballack offensichtlich gewillt ist, sich durchzusetzen mit festem Willen und hartem Ellenbogen um jeden Preis. Das war keine schöne Szene, als er Gegenspieler Fahrenhorst früh das Nasenbein brach.

Aber sonst? So manche Herrschaften in der Bundesliga scheinen wirklich nur noch in Königsklassen-Kategorien zu denken. Das war doch eigentlich ein Knackpunkt für beide, ein Wegweiser, wohin es geht in dieser Saison: nach oben oder in die Langeweile. Den Meistern von der Weser schien das erst im zweiten Abschnitt einzuleuchten, da rannten sie dem Rückstand hinterher, und es reichte doch nur zur Formbestätigung von Klose. Das war der Zeitpunkt, zu dem die Bayern die genaueren Umstände des Spiels vergessen hatten, Ballacks auch mit unlauterem Ellbogeneinsatz ermöglichtes Tor verwalteten sowie aufs Glück hofften. Das kam auf den leisen Sohlen Schweinsteigers.

Das also sind unsere Champions. Werder, redlich bemüht, außer Micoud, der nicht mehr denkt und lenkt und damit Werder schwächt. Die Bayern, nüchtern, genügsam, ohne gülden zu strahlen, fad. Aber wahrscheinlich ist es zu viel verlangt, inmitten des Selbstfindungsprozesses Strahlkraft zu erwarten. Allein, sie finden sich jetzt schon ziemlich lange, die Bayern, das heißt, sie finden sich nicht. Und Werder hat sich nach dem großen Triumph der Vorsaison etwas verloren. Was soll’s, erfreuen wir uns am Umstand, dass Spannung auch auf unterem Niveau zu haben ist. An was anderem können wir uns ja nicht erfreuen. Und dann wird Wolfsburg Meister.

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