Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Mit Versprechungen ist es so eine Sache, schön werden sie erst, wenn sie gehalten werden. Versprochen hat Felix Magath als Strategieplaner des FC Bayern München ein munteres, offensives Fußballspiel. Er darf sich in all seiner Vollmundigkeit eins wähnen mit dem Kollegen Ralf Rangnick von Schalke 04, auch der bekennender Freund attraktiven Spiels.

Nach dem gestrigen Treffen der beiden im Münchner Olympiastadion stellt sich indes die Frage: Preisen die Herren nur öffentlich Wein und verordnen intern Wasser? Will sagen: Warum bleibt es in unschöner Regelmäßigkeit beim bloßen Lippenbekenntnis, wohingegen die Realität auch dieses Spiels nur entsetzliche Langeweile produziert? Von Schalker Offensivdrang wurde nur eine Ahnung geboten, als Ailton, der Torjäger, der nur noch Erinnerungen jagt, in der ersten Halbzeit eine Chance erhielt. Von Schalker Freude kündete nur Torschütze Asamoah, aber der ist mit seiner Dankbarkeit für den von den Kollegen weggemobbten Jupp Heynckes ohnehin Solitär. Dabei wollen sie doch sein auf Schalke wie die Dortmunder zu besseren Zeiten, wie die Bayern sowieso. Wollten doch Meister der Herzen sein und sind doch nur Meister der Schmerzen. Aber wie soll es auch anders sein, wenn das Vorbild aus München höchstpersönlich nur fade Kost serviert.

Oder liegt es gar nicht an den Vorgaben der Trainer? Setzen die Spieler einfach nur nicht um, was von ihnen gefordert ist? Die Schalker haben doch so etwas wie eine Bringschuld, nachdem sie sich des alten Trainers entledigt haben, weil unter ihm die Arbeit so furchtbar schwer war. Für Ailton besonders, aber der verspürte offensichtlich keine Bringschuld, sondern brachte einfach nichts. Ich habe zunehmend den Eindruck, dass sich in der Bundesliga Saturiertheit breit macht, leidenschaftsloses Abspulen der Norm. So wie die Bayern beim Gegentreffer, als die gesamte Abwehr machte, was man machen kann, aber nicht tun sollte, wenn man gewinnen will: zuschauen. Wenn dies das Versprechen auf die Zukunft war, werden wir uns auf unruhige Tage in München einrichten können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben