Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Wofür eigentlich, frage ich mich angesichts der vielen freudlosen Spiele in Europa und in der Bundesliga, wozu eigentlich war die Europameisterschaft gut? War da nicht trotz des Titelträgers Herzerfrischung das oberste Gebot gewesen? Hatte da nicht Mut gegen Risiko gespielt, Witz gegen Raffinesse, Offensive gegen Leidenschaft? Weit gehend vergessen. Vergangene Woche kamen mir nach dem Bayern-Gelangweile in Turin zwei Bayern-Fans entgegen und fragten mich, warum und wozu zum Teufel sie eigentlich 1800 Kilometer gereist waren. Sie beklagten nicht die Niederlage, dergleichen geschieht, wenn auf der Gegenseite einer steht, der wenigstens ab und an mal Lust am Spiel hat und Pavel Nedved heißt. Sie beklagten nicht weniger als den Mangel an Liebe zum Spiel, da war ja niemand, dem man die Daumen hätte drücken können, weil die vor lauter emotionaler Kälte längst abgefroren waren. Ich konnte den Fans keine Antwort geben.

Und es sind ja nicht nur die Bayern, es sind die Turiner, es ist Real und, und, und, die sich dem Ergebnis verpflichten und nicht der Freude. Die Ausnahmen sind Werder Bremen und der VfB Stuttgart – aber auch das nur temporär. Alemannia Aachen natürlich nicht zu vergessen. Und was ist in der Bundesliga mit Mainz 05 und Wolfsburg?

Das genau scheint mir das Dilemma zu sein. Was ist los im Fußball, wenn der Spaß nur noch bei den Underdogs zu haben ist, für die Meisterschaft und Enthusiasmus keine Zugaben sind, sondern oberstes Ziel? Zynischen Ergebnisfußball liefern stattdessen die Großen, die so fettleberig satt sind, so bedeutend und wichtig, dass sie an der Lust vorbeileben. Bis zum heutigen Spieltag war das Gros der groß angekündigten Spitzentreffen in der Bundesliga und auch in Europa ein herzloses Punktegeschacher. Als ob es von selber zur nächsten Runde in Europa oder zu den ersten drei Plätzen in Deutschland reiche. Fatalerweise reicht es, ärgerlicherweise sind all diese Mannschaften besetzt, dass sie Besseres könnten. Sie geben es nicht her, nicht die Spieler, nicht die Capellos und die Magaths. Portugals frischer Wind ist verflogen.

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