Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Horst Köppel wird keine Chance haben. Er will sie auch gar nicht. Vielleicht ahnt er auch, dass er keine hätte, wenn man sie ihm gewähren würde. Trainer bei Borussia Mönchengladbach zu sein, heißt erst einmal, Hennes Weisweiler überwinden zu müssen. An dem hängen die Emotionen, hängen die Erinnerungen und nach ihm richten sich die Hoffnungen. Und wenn dann noch einer, wie Horst Köppel, selber aus der großen Zeit abstammt, was kann er dann schon gewinnen, wenn er nicht jedes Spiel gewinnt. Aus gleichem Grund dürfte Jupp Heynckes klug genug sein, abzuwinken, wenn die Vereinschefs mit nämlichem Ansinnen bei ihm auf dem Sofa sitzen. Auch Berti Vogts, wenn der denn überhaupt vermittelbar wäre.

Bleiben, wenn die Borussia für den langfristigen Nachfolger Holger Fachs wirklich den Weg über verdiente Mitarbeiter sucht, nur die notorischen Bereitsteher: Lothar Matthäus, Winfried Schäfer. Ach, es ist nicht leicht, Borusse zu sein. Vielleicht sollte sich der neue Mann vertraglich zusichern lassen, dass Worte wie Fohlen, Pokalfinale und Namen wie Weisweiler, Netzer, Boninsegna nur unter Strafe genannt werden dürfen.

Was nun den Ausschlag gegeben hat für die Entlassung Holger Fachs? Na klar, fehlende Punkte. Aber sonst? Die Spieler sagen, sie hätten keine Probleme mit dem Trainer gehabt. Trotz seiner etwas übertrieben emotionalen Art. Trotz seinem Hang, seinen Zöglingen im Training zu demonstrieren, dass er auch heute noch der bessere Fußballer ist. Trotz Fachs sehr frühen, sehr gnadenlosen öffentlichen Tiraden. Nur, warum sind sie dann nie so gerannt, haben nie so engagiert gespielt, wie gestern beim Heimsieg gegen desolate und Lucio-beraubte Bayern aus München? Aber nun soll ja alles gut werden, was gut und umsichtig geplant war: Im tollen, wunderbar dimensionierten Stadion könnte mit all den besserklassigen Verstärkungen eine erfolgreiche Mannschaft reifen. Sie sollten in Mönchengladbach vielleicht nur die vielen Schwarzweiß-Fotos aus vergangenen Zeiten abhängen. Dann müssen sie nur noch die notorischen Bereitsteher meiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar