Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Werders Qualität? Im Detail war sie vor dem gestrigen Spiel gegen Bayer Leverkusen zu besichtigen, als die beiden Trainer, Klaus Augenthaler und Thomas Schaaf zum Smalltalk beieinander standen. Augenthaler hoffte auf Bremer Schwäche nach deren Überstunden im Pokal. Schaaf setzte auf Achselzucken, Kraft werden wir schon haben, meinte er. 120 Pokalminuten? Dann ist das eben so. Das Jammern und das Klagen, bei Werder scheinen das gänzlich unbekannte Gefühlswallungen zu sein.

Es ist ein ganz wunderbarer Fatalismus, mit dem Werder alle Unbillen der Zeiten hinnimmt. Der Aderlass der vergangenen Saison? Kein Muckser war zu hören. Die störenden Einlassungen des Altphilosophen Otto R., der einen Einsatz seines griechischen Nationalspielers Charisteas fordert. Oder wahlweise dessen Vereinswechsel. Gut, dann wissen sie das jetzt auch, die Weser fließt trotzdem immer weiter in die gleiche Richtung. Das geht nun schon einige Zeit so und gut mit dem nordischen Stoizismus. Konstant unaufgeregt eben.

Nun zu Werders Schwächen. Die konstante Unaufgeregtheit. Nahezu lethargisch nahmen Werders Mannen hin, wie Bayer Leverkusen zurück ins Spiel fand und 2:1 in Führung ging. Die verschluderten Möglichkeiten der ersten Hälfte? Schicksalsschläge offensichtlich nur, mehr nicht. Geht es gut, heißt es, die Geduld habe gesiegt, wie bei den Bayern in deren besten Jahren. Schaaf setzte lieber auf einen dritten Stürmer, auf Valdez. Valdez erzielte den Ausgleich. Werders Qualität? Die Gelassenheit, mit der sie Schalker Finanzkraft ertragen, Bessergriechen reden lassen, Rückstände wegstecken. Konstant unaufgeregt. Selbst in aufregenden und guten Spielen. Selbst nach all zu schnellem Schlusspfiff. Unaufhaltsam zieht die Weser um die Biegung.

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