Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Komme jetzt bitte nicht, Rudi Assauer, und behaupte, die glückliche Verbindung zwischen Ralf Rangnick und Schalke 04 sei von langer Hand geplant gewesen. Dass da offensichtlich etwas zusammengehört, was in der Not zusammengefügt wurde, war nicht zu erahnen. Eher das Gegenteil, weil Theoretiker nichts gelten auf Schalke und das intellektuelle Höchstmaß bei Olaf Thons pastoralen Reden erreicht war. Man nannte ihn auch Professor. Jetzt haben sie einen neuen Prof, den Ralf Rangnick, der sich den in der Branche eher als Schimpfwort gebrauchten Titel seinerzeit erarbeitet hat, als er der Trainergarde im Fernsehen eine Taktikvorlesung hielt. Nun scheint sich der forsche Rangnick zu habilitieren.

Es gibt ja so glückhafte Momente, in denen alles gelingt, in denen, wie gestern, die Mannschaft Fehlpass an Fehlpass reiht, und doch in Führung geht. Und dann im Erfolg ihre Bestimmung findet. Vielleicht war Vorgänger Jupp Heynckes einfach eine Nummer zu groß, zu erfolgreich und dann zu bestimmt derjenige, der allein weiß, wie es geht. Dessen Problemfälle hat Rangnick auch, aber wer braucht noch Jörg Böhme? Und Ailton? Rangnick hat offenbar dem Selbstverliebten schlichte Sachverhalte so schlicht erklären können, dass selbst Ailton den Schuss gehört hat: Schalke braucht nicht den Namen Ailton, nur den Fußballer. Verweigert der sich, verweigert sich Schalke. Seitdem rennt Ailton und trainiert sogar. Bleibt das Problem Assauer. Der schweigt. Was erstaunlich ist für ihn, aber hilfreich für den Verein.

Vielleicht war alles leicht, vielleicht ist eine geforderte Mannschaft, die den alten Trainer weggemobbt hat, leichter zu führen. Gestern in Leverkusen war die Mannschaft gefordert, nachdem sie 20 Minuten lang spielte, als hieße ihr Trainer noch Heynckes. Dann zündete Lincoln seine Feuerwerksraketen. Eine per Hacke auf Ailton. Noch eine in den Lauf von Ailton. Und die schönste per Freistoß in den Winkel. Schalke will was, das ist sichtbar. Schalke kann nun auch was wollen und erreichen. Und spätestens dann wird Ralf Rangnick ein honoris causa bekommen.

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