Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Mal angenommen, der Reinhard Rauball würde vor dem nächsten Heimspiel Borussia Dortmunds vor die versammelte Südkurve treten, um Volkes Stimme einzuholen. Geht ihr mit, könnte er fragen, wenn wir in dieser Saison und in der nächsten Saison und noch einige Zeit mehr mit jungen, unbekannten, allenfalls talentierten Spielern allenfalls einen Mittelplatz in der Liga anstreben?

Was würde wohl geschehen? Ich bin sicher, dass die bekannt sensiblen Fans einem Lied Leben einhauchen würden, das sie sonst nur aus folkloristischen und sentimentalen Gründen anstimmen: „You’ll never walk alone“. Der Meister Ewerthon auf jeden Fall dürfte ab sofort keine schöne Zeit mehr in Dortmund haben. Er habe dem Verein hohe Forderungen gestellt, hat der Herr gesagt, und wenn die nicht erfüllt werden, werde er gehen. Deutlicher kann man nicht kundtun, dass man den Schuss nicht gehört hat.

Auch ohne die gestrige Niederlage beim zurzeit labilen Meister aus Bremen hat jeder mitbekommen, dass sich die Borussia seit ein paar Tagen wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren will. Das heißt Fußball, Fußball, Fußball. Es war ja schon sehr hilfreich, dass Aktionär Homm, ein Mann von äußerst überschaubarem Fußballsachverstand, sich in das Kerngeschäft einzumischen glaubte und den Trainer kritisierte. Er hat’s wohl nicht so gewollt, aber eine folgenreichere Ruckrede war im Fußball selten. Das war der Irrsinn zu Ende geführt. Nun ist der Hurrikan weitergezogen, er hat alles verwüstet, er hat Rauballs Vorgänger Niebaum zur Schweigsamkeit und Untätigkeit gestutzt und Manager Meier etwas unter Wert verwüstet. An die Grundlage des Vereins kam er nicht ran.

Die Grundlage heißt Fußball, Fußball, Fußball. Der wird auch ohne Geld und Abschreibungsgeschäfte gespielt. Es dürfte in den nächsten Wochen eine Auslese stattfinden: Wer die Grundlage verlässt und glaubt, es ginge bei Borussia noch um anderes, der dürfte schnellstens abgeschoben werden. Ob er Ewerthon heißt, Rosicky oder Koller. Für alle anderen gilt, dass sie nicht alleine sind, „they’ll never walk alone“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben