Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Da sollte man sich wohl nicht täuschen lassen, dass Werder Bremen so schnell wieder zum alten Aggregatzustand voller Gelassenheit zurückkehrt. Trotz lange guten Spiels bei Schalke. Das wird kein Spaß, trotz vorgespielter Harmonie zwischen Johan Micoud und Fabian Ernst. Und dass es eben Micoud war, dessen Querschläger zur Schalker Führung führte, dürfte seine Beliebtheit nicht eben steigern. Aussitzen und totschweigen, die Methode, mit der Werder den Zwischenfall im Trainingslager zu verdrängen versucht, die hatte noch nirgends Erfolg.

Was für ein Signal ist das auch: Sunday Oliseh hatte im vergangenen Jahr wegen eines ähnlichen Gewaltausbruches den VfL Bochum verlassen müssen. Und Micoud darf dem Kollegen Ernst ohne offensichtlich adäquate Bestrafung per Kopfstoß eine Platzwunde zufügen, die mit acht Stichen genäht werden musste? Nein, da bleibt etwas nach, das wird schlechte Stimmung schaffen, sobald der sonderbehandelte Körperverletzer einmal nicht eine sonderbehandelte Leistung abliefert.

Ein paar Wochen werden die Kollegen genau beobachten, wie viel fußballerische Buße Micoud zu geben bereit ist. Zumal der attackierte Ernst nicht zu den Lauten im Lande zählt und als vermeintlicher Heißsporn mitgewirkt hat am Eklat. Verschlossenheit wird verziehen. Die Unlust, Deutsch zu lernen? Stimmt die Leistung, darf man ruhig auch Kisuaheli sprechen, das kümmert niemand. Die Inanspruchnahme aller möglichen Sonderlichkeiten fällt nicht ins Gewicht, wenn Tore und Vorlagen daraus resultieren. Den Status aber hat der Franzose weit überzogen. Wer wohl dürfte schuldig gemacht werden, wenn Werder nicht nur die Titelverteidigung vergeigt hat, sondern auch den so hilfreichen Stoizismus, das Schicksal zu nehmen, wie es kommt? Ernst nicht, der ist eh bald weg und auf Schalke. Und wenn Micoud weiterhin glauben darf, sich alles erlauben zu können? Erstmals seit vielen Spielzeiten muss man sich ernsthaft Sorgen machen um die Bremer.

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