Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Missmutig der Blick, der Mund ein Strich: Ailton lief wieder auf gestern gegen den VfL Bochum nach kurzer kreativer Pause. Und warum freut sich der Mann nicht? Braucht Ailton Schalke nicht? Wahrscheinlich ist die Frage falsch gestellt, wahrscheinlich muss sie lauten: Wie viel Ailton verträgt ein Klub?

Ja, wenn Gelassenheit in allen Lebenslagen zum Vereinsprogramm gehört wie einst bei Werder Bremen, ja, dann kann auch die sonderlichste Laune eines Ailtons nicht wirklich stören. Aber Schalke und Gelassenheit? Ach nein, das ist in Kombination nie, nie, nie zu haben. Schalke will, Schalke muss nach oben. Dafür kaufen sie ein wie die Wilden, dafür gehen sie finanzielle Risiken ein, als hießen sie Borussia und seien aus Dortmund, dafür wollen sie das Glück zwingen. Und vorzuweisen haben sie nichts bisher. Der Titel eines Meisters der Herzen war nie einer und taugte nur kurz für die Tränendrüse. Schalke will und muss wollen. Und dann kommt dieser Ailton daher und sagt, er gehe eh 2006. Das soll nicht stören? Das macht alles schwer, wenn Ailton den Kasperle macht. Von Schalke weggehen? Das geht doch gar nicht, zumindest nicht in der Wahrnehmung der Fans. Schalke verlässt man nur, wenn es sein muss, also mit den Füßen voraus. Man erfüllt dort auch nicht einfach seinen Vertrag, geht nicht einfach zur Arbeit, man trinkt blaues Blut und lässt es ordentlich pulsieren.

Brasilianische Sperenzchen? Die gehen auf Schalke nur, wenn dafür entsprechend bezahlt wird. Und zwar mit Toren. Den Schuss hat Ailton offensichtlich gehört unter der Woche und zahlte mit seinem hundertsten Bundesligatreffer und dem Führungstor zum Sieg gegen Bochum. Und wenn seine Launenhaftigkeit zur Wiedervorlage kommt? Dann wird der Unmut wachsen, dann wird der blaublütige Mike Hanke aufmucken, dann wird der Rest der Mannschaft aufbegehren gegen Sonderbehandlungen des eigenwilligen Herrn. Also noch einmal, wie viel Ailton verträgt Schalke? Einen torlosen gar nicht. Immerhin eint Schalke 04 und den fulminanten Stürmer eins: Beide sind zum Erfolg verdammt.

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