Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Von Bayer Leverkusen ist wohl auch nichts mehr zu erwarten, viel zu unbeständig für das große Ziel. Ist ja kaum zu fassen, 80 Minuten einen Mann mehr zu haben, 2:0 zu führen, und doch nur ein glückhaftes Remis zu erreichen. Werder Bremen? Strukturelle Schwäche verhindert konstante Spitzenleistung (und mal am Rande: wer sich in zwei Spielen gegen Lyon zehn Stück abholt, hat wohl das Recht verwirkt, es dem FC Bayern gleich tun zu wollen). Der VfB Stuttgart war kultig mit seinem jugendlichen Elan in der vergangenen Saison. Kult hat die Eigenschaft, endlich zu sein. Hertha BSC vielleicht. Aber dort scheinen sie zu klug zu sein, um den langsamen Aufbau mit Hysterie zu zerstören. Bleibt Schalke.

Kurzfristig und auf diese Saison bezogen, kann man ja nur den Fußballgott anrufen, dass er morgen beim Gipfel gegen die Bayern königsblau denkt. Wenn nämlich auch in der Bundesliga dokumentiert ist, was in der vergangenen Europapokalwoche manifestiert wurde, dürfte der Rest der Saison von depressionsfördernder Langeweile sein. Und am Status des FC Bayern ändert ein Sieg der Schalker ohnehin nichts.

Ja, ich weiß, es ist langweilig, es nervt, es ist nicht zu ändern: Der FC Bayern München ist eben allein auf weiter Flur. Und der einzige, der beim europäischen Wiegen nicht für zu leicht befunden wurde. Vielleicht ist unser deutscher Fußball nicht so schlecht, wie man es nach der Europameisterschaft beweinte. Aber er ist offensichtlich auch nicht so gut, wie es die allzeit gute Nationalmannschaftslaune suggeriert. Allein der FC Bay... ja, es nervt.

Wenn man dem Klassenprimus wenigstens etwas vorwerfen könnte. Aber er ist fleißig, er übt, er macht seine Hausaufgaben, er schwätzt nicht, pfuscht nicht, schreibt nicht ab. Ein pickeliger Streber also? Nicht mal das, ansehnlich ist er auch noch, meistens weit ansehnlicher als alle anderen. Und so wird er heute auftreten in Gelsenkirchen bei den Parvenüs. Und wie geht er seit Jahrzehnten mit solchen Aufmüpfigen um? Er klopft ihnen ordentlich auf die Finger. Nervend.

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