Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Wenn Dinosaurier sich treffen, muss es ja nicht unbedingt munter zugehen. Erst recht nicht, wenn der eine Dino schwer krank ist und aus Dortmund kommt und der andere HSV heißt und lange Zeit nicht mal mehr ein Dino war, sondern nur noch ein Fossil. Es kam aber anders gestern in Hamburg beim 2:3, auf einem Geläuf gleichwohl, das aussah, als sei eine ganze Herde Brachiosaurusse drüber getrampelt. Es war zwar spielerisch selten wirklich anspruchsvoll und auf Seiten des HSV stark nachlassend, aber lange munter und voller Leidenschaft.

Und ich bleibe dabei: Das ist ja trotz des verpassten Sieges schon eine der erstaunlichsten Läufe der Bundesligageschichte, die der HSV in dieser Saison hinlegt. Von Platz 18 in den Schnupperbereich der Champions League, von toter Materie zu einem sprudelndem Quell der Freude. Den umgekehrten Weg also, den die Borussia aus Dortmund gerade durchschreitet. Vielleicht, weil es leichter ist, mit Misserfolg umzugehen als mit Triumph. Der trübt das Bewusstsein für die Realität. Wie auch immer, Erfolg war dem HSV ja nun schon lange nicht mehr beschieden. Rückblickend kann man das wohl als Glücksfall bezeichnen. So kam der HSV, obwohl von eigener Größe und Tradition geschlagen, nie in Versuchung, den FC Bayern zu spielen. Wie früher die Borussia vor dem Sturz und heute Schalke möglicherweise auch vor dem Sturz. Der HSV dagegen dümpelte sich all die Jahre zur Unerheblichkeit und bot Herren von Pagelsdorf bis Toppmöller Gelegenheit, als Trainer herumzufuhrwerken. Dann kommt das Glück, heißt Thomas Doll, ist billige Variante, und plötzlich gelingt fast alles. Das dürfte niemand geplant haben, dass der Novize im Amt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort alles richtig macht und verblasste Mythen wie Beinlich und Barbarez wieder auf Glanz poliert. Auf einmal passen zwei Dinge zusammen, die über Jahre so weit voneinander weg waren wie die Dinos von der Jetztzeit: HSV und Spaß. Der Dino lacht, man glaubt es kaum, daran wird das 2:3 nichts ändern.

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