Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Was Hertha noch fehlt zum Glück? Vor allen Dingen ein Stadionsprecher, der etwas weniger hysterisch ins Mikrofon kreischt. Den jetzigen hat Hertha nun wirklich nicht verdient. Denn um was geht es noch in der Bundesliga? Die Meisterschaft ist entschieden, es gilt sich zu bücken und die Krümel aufzusammeln, die Bayern München übrig gelassen hat. Und in dieser Disziplin überzeugen die Berliner seit Wochen. Auch gestern gegen Schalke, wenngleich nicht brillant, wenngleich nach einigem Gewürge im ersten Abschnitt, wenngleich mit elf gegen zehn nach Poulsens Rauswurf. Aber sei’s drum, Schritt für Schritt nähert sich Hertha Marcelinho der Champions-League-Qualifikation. Das ist gut so, das hat Konstanz, da muss man nicht jahrmarktschreien, als müssten die Menschen in die Geisterbahn gelockt werden.

Die Krümel. Hertha sammelt fleißig, das könnte am Ende noch ein richtiger Kuchen werden. Und Schalke? Ach Schalke, die haben sich verschluckt, die waren zu gierig und zu verblendet, als sie glaubten, die Meisterschaft werde in den Spielen gegen die Bayern entschieden. Der VfB Stuttgart? Der war sich vergangene Woche in Rostock wohl offensichtlich zu fein, sich zu bücken, da scheinen inzwischen auch die Spieler die Sammersche Bescheidenheit verinnerlicht zu haben, und agieren, als wollten sie ihren Trainer bestätigen. Bleibt noch Werder, das sich zwischenzeitlich fast übernommen hatte, aber inzwischen wieder weiß, wie es geht. Das kann von Vorteil sein.

Aber nun haben sie ja alle ein Geschäft schon erreicht, sind nahezu sicher im Uefa-Cup nach der günstigen Pokalkonstellation. Und irgendwie und vom Ergebnis her betrachtet, scheint allein Hertha mit großer Konsequenz dem großen Topf zuzustreben. Oder sollte die gestern an den Tag gelegte Behäbigkeit bei der Verwaltung des Vorsprungs etwa ein Indiz sein, dass auch Hertha Angst vor dem großen Schritt hat und sich wehrt gegen Platz drei, Platz zwei? Nehmen wir an, das nicht, nehmen wir an, dass sie mit den Kräften Haus hielten, weil gegen Schalke Behäbigkeit reichte. Das wäre dann allerdings schon fast meisterlich.

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