Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ich habe sie nicht gezählt, aber es werden so um die hundert Spiele der Bayern gewesen sein, die ich im Olympiastadion von der Kommentatorentribüne aus gesehen habe. Rauschhaft waren wenige, aber gewonnen haben die Münchner dennoch meistens. Bei ihrem ersten Spiel im Juni 1972, damals zur Meisterschaftsfeier gegen Schalke, und danach 33 Jahre lang immer wieder und meistens oft genug für den nächsten Titel. Es war halt ihre eigene Welt, dieses Olympiastadion, und diese Welt haben sie sich sehr stabil gebaut. So stabil, dass manchem die Logik abhanden kam. Eines meiner lustigsten Erlebnisse im Olympiastadion war die Begegnung mit eben einem solchen Fan. „Sie, Herr Reif“, sprach er mich auf dem Weg zum Arbeitsplatz an, „heute kommentieren Sie aber mal ein bisschen objektiver für die Bayern.“ Der FC Bayern setzt eben das Maß und ist das Maß aller fußballerischen Dinge hier zu Lande.

Dass das zunehmend monoton ist und dem deutschen Fußball eher nicht zuträglich, ist, schon oft gesagt, den Bayern nicht vorzuwerfen und schon mal gar nicht an diesem Festtag. Und es war ein Fest, ein Makaay-Festival. Zwei Tore vorbereitet, zwei selber geschossen in der ersten Halbzeit, so sieht das aus, wenn eine Mannschaft nur noch spielt, um seinen Mittelstürmer noch zum Torschützenkönig zu machen. Es war zwar vorher nicht anzunehmen, dass sich die Nürnberger hier schlecht benehmen und die Festlichkeiten durch Einsatz stören, aber dass sie nur nach München gekommen sind, um nachher auch noch ein Gläschen abzubekommen, das war der Freundlichkeit doch zu viel. 5:0 zur Halbzeit, also ich habe das noch nicht gesehen, nicht im Olympiastadion, nicht anderswo.

Und nun zieht das lebende Denkmal weiter, der FC Bayern, und lässt das gläserne und steinerne Denkmal nur noch Denkmal sein. Wehmütig? Ja, sicher auch. Aber auch froh, dass ich in diesem Riesenstadion nicht mehr Makaay als gefoulten Spieler benenne, wenn doch Pizarro gefoult wurde. Künftig werden die Bayern und die Kommentatoren enger zusammenrücken. Ganz objektiv.

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